Magdeburg l Der Tod von Hannes S. liegt zwei Jahre zurück. Der FCM-Fan war im Oktober 2016 aus bis heute ungeklärten Umständen aus einem fahrenden Zug gesprungen und verstarb an den Folgen. Die Staatsanwaltschaft stellte im März 2017 die Ermittlungen ein.  Kurz vorm Spiel des 1. FC Magdeburg gegen den Hamburger SV am Freitagabend (18.30 Uhr) veröffentlichte der FCM auf seiner Homepage einen Brief von Hannes' Bruder Christoph.

Hannes' Bruder kämpft täglich

"Vor zwei Jahren änderte sich alles. Vor zwei Jahren begann ein Kampf, der nie zu enden scheint", schreibt Christoph S. "Es kann jederzeit soweit sein. Mein Tag läuft gut, doch plötzlich zieht es mich runter. Ich höre ein Lied, ich sehe einen Zug, mir fährt eine Erinnerung in den Kopf." Das schlimmste sei wohl der Kampf "gegen mich selbst", so der Bruder von Hannes. "Wie hat er gesprochen? Was hat er gesagt? Was haben wir zusammen erlebt?"

Oftmals gebe es Situationen, in denen Christoph die Fassung bewahren muss. "Wenn ich aber Spiele vom Club sehe, wenn ich im Stadion bin, wenn ich die Hymne höre, kann und möchte ich nicht gegen meine Gefühle kämpfen...Denke ich an die Entwicklung des Clubs, an den Aufstieg, an die Euphorie, macht es mich traurig. Es macht mich traurig, weil Hannes all das nicht mehr miterlebt", schreibt Christoph weiter.

Kritik an Politik und Justiz

Zugleich fordert Christoph S. eine Aufklärung der Umstände, die zum Tod seines Bruders Hannes führten, und kritisiert Politik und Justiz. "Mit jeder Erinnerung, mit jedem Gedanken an meinen Bruder bleibt auch die Frage der Aufklärung. Es bleibt der Kampf für Gerechtigkeit. Gefühlt passiert gar nichts. Das Thema ruht; die Fronten ruhen. Das ist das Beste, was allen Unbeteiligten passieren kann. Von der Politik alleingelassen, von der Justiz alleingelassen. Unter Gerechtigkeit verstehe ich etwas anderes."

Die Eltern von Hannes und Christoph hatten bereits im April 2017 neue Ermittlungen gefordert. Die Einstellung des Verfahrens führte damals zu einer großen Debatte. Es gab Proteste von FCM-Fans vor dem Sitz der Staatsanwaltschaft in Magdeburg.

Hier geht es zum offenen Brief von Christoph S. auf der Homepage des 1. FC Magdeburg.