Blankenburg (jmü) l Hoher indianischer Besuch in Derenburg: Wendell Yellow Bull, der Urenkel von Häuptling Red Cloud (1822-1909) „Rote Wolke“ stattete zwischen zwei Vortragsterminen in München und Hamburg Museumsbetreiber Thomas Merbt einen überraschenden Besuch ab. „Unter den drei großen Sioux-Häuptlingen des 19. Jahrhunderts galt Red Cloud als Friedenshäuptling. Er wurde als Christ vom deutschen Pater Eugen Büchel im Reservat Pine Ridge 1909 beerdigt“, erläutert der Indianerkenner. Red Clouds Nachkomme bemühe sich laut Merbt im ärmsten US-Reservat (die durchschnittliche Lebenserwartung für einen Mann liege dort bei nur 45 Jahren) um gestrandete Lakota-Jugendliche und sammelt in Europa Spenden für sein eigenes Hilfsprojekt „Lakota Horsemanship“.

Bei seinem Deutschlandaufenthalt war Wendell „Gelber Bison“ im Internet auf die neue Derenburger Attraktion aufmerksam geworden. Der Gast bekam von Thomas Merbt zur Erinnerung einen selbstgebastelten Pfeil geschenkt. Wendell Yellow Bull revanchierte sich mit einem von seiner Tochter mit Perlen bestickten Medizinbeutel mit Kräutern aus North Dakota.

Wendell therapiert Alkohol- und Drogenabhängige Jugendliche auf indianische Weise. Er vermittelt die alten Lakota-Regeln, bringt ihnen traditionelle Handswerkstechniken bei, auch Jagd mit Bogenschießen und vor allem Pferdezucht. Über 120 Patenschaften zu seinen selbstgezüchteten Indianer-Schecken tritt er an die Jugendlichen nach sechs bis acht Jahren Entzug ab. Einige der so Geheilten starteten mit den überlassenen Pferden eine eigene Pferdezucht.

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Seit März bemüht sich Thomas Merbt um eine baurechtliche Abnahme, um mit seinem Museum, das er 22 Jahre in Baden-Württemberg in teuren Mieträumen schon betrieben hatte, als neue Touristenattraktion am Harzrand zu starten. Der Museumsbetrieb könnte noch im September beginnen, ist Merbt vorsichtig optimistisch.