Barby l Es gibt Anlässe in unserem Leben, an die wir uns dauerhaft erinnern: Geburtstage, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, aber auch der Tod eines lieben Menschen gehört dazu. So ist es auch bei Bertram Gast (76), der im Februar seine Ehefrau Rita (75) verlor. „Als sie starb, ging für mich eine Welt unter. Aber viele Freunde, mein christlicher Glaube und Ritas Liebe haben mir geholfen, dennoch Ja zum Leben zu sagen“, sagte Bertram Gast. Er hatte Freunde und Bekannte eingeladen, als für Rita eine Eiche gepflanzt wurde. Das übernahm ein Barbyer Gartenbaubetrieb, der fachlichen Ausführung wegen. Neben der „Rita-Eiche“, wie Bertram Gast lächelnd sagte, kamen auch Bäume für Ulrich Kramer (er wird in wenigen Monaten 80) und Carl Jäger, der in diesem Jahr konfirmiert wurde, in den Boden.

Bertram Gast lernte seine Frau vor 40 Jahren bei einer Wallfahrt in Thüringen kennen. Eine Kinderlähmung fesselte sie ihr Leben lang an den Rollstuhl. Zwar körperlich gehandicapt, war die geborene Erfurterin von hellwachem Verstand und großem Herzen. Ihr späterer Ehemann gab ihr zu Liebe sein Amt als Priester in der katholischen Kirche auf. Beide sah man ab 1978 oft im Stadtbild von Barby oder bei Ausflügen in die Natur. Der schwere Elektro-Rollstuhl schränkte nicht selten die Teilnahme an kulturellen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen ein. So blieb dem Ehepaar so manches Konzert, so mancher Neujahrsempfang verwehrt, wenn Treppen und hohe Stufen eine Rolle spielten.

Luther-Zitat

Rita Gast empfand ihren E-Rollstuhl nicht als Fessel, sondern als ein unverzichtbares Instrument, um am Leben wie ein Nichtbehinderter teilzunehmen. Sie machte, wenn man sie darauf ansprach, konsequent auf Barrieren aufmerksam, aber beklagte sie nicht.

Als die Eiche im Boden war, fest angebunden und gegen Biberverbiss geschützt, schloss Bertram Gast die kleine Andacht mit einem Luther-Zitat: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Und er sagte noch etwas ganz Persönliches: „Diese Eiche ist meine Baum gewordene Dankbarkeit!“

Diese drei gepflanzten jungen Eichen müssen nun die ersten paar Jahre überstehen, um den Naturgewalten Stand halten zu können. Der Barbyer Andreas Rinne versprach, in trockenen Sommern zu gießen.

Der „Eichelwald“, der vermutlich vor 300 Jahren zur Zeit Herzog Heinrichs angepflanzt wurde, ist in den vergangenen 50 Jahren immer lichter geworden. Die Barbyer lieben das idyllische Areal. Das spiegelt sich auch in den Pflanzinitiativen wider.

Für den Sohn gesetzt

Erst im Februar dieses Jahres bat Hildegard Birk, dass Verwandte und Bekannte zu ihrem 90. Geburtstag statt Geschenke lieber für den guten Zweck spenden sollten. So wurde zwischen Schloss und Elbe eine Eiche gepflanzt. Im Sommer zuvor hatte das junge Hochzeitspaar Stefanie und André Strobel eine ähnliche Idee.

Dank unserer Vorfahren geht so manch Solitärbaum auf besondere Anlässe zurück. Oft waren es Eichen und Linden, die nach siegreichen Kriegen gesetzt wurden.

Traurige Erlebnisse waren nicht nur im Falle Gast eine Baumpflanzung wert. So ließ der Barbyer Strombaumeister Bischoff am Ufer der (1974 zugeschütteten) Kleinen Elbe eine Trauerweide pflanzen. Das geschah zum Gedenken an seinen Sohn Horst, der am 10. Juni 1933 beim Durchschwimmen der Stromelbe ertrunken war. Die Trauerweide entwickelte sich zu einem stattlichen, landschaftsprägendem Baum, der auf kaum einem Foto fehlte, wenn man das „Prinzeßchen“ von der Elbseite her ablichtete. Erst 2007 wurde die Trauerweide aus Sicherheitsgründen gefällt.

Zwei Ersatzpflanzungen, eine aus ähnlichem Grund, folgen an dieser Stelle.