Genthin l So kennen und schätzen die Genthiner den Auftakt des Weihnachtskonzertes, mit dem die Akteure mittlerweile in guter alter Tradition den Auftakt geben: Der Einzug des Chores und der Instrumentalisten im Kerzenschein nach den Klängen des Liedes „Sind die Lichter angezündet“ stimmte die Gäste erwartungsvoll auf das diesjährige Programm ein. Weihnachtskonzerten in jedem Jahr trotz aller Tradition immer wieder ein neues Gesicht zu geben, war auch in diesem Jahr eine Herausforderung, vor der die „Macher“ um Chorleiterin Anke Held standen.

Keine gesonderte Sprechergruppe

So gab es diesmal keine Sprechergruppe, die mit einem bestimmten Thema durch das Programm führte.Gleichwohl dreht sich in der aktuellen Aufführung alles, ganz nach den „Toten Hosen“, um das Motto „Wünsch Dir was“. Dabei haben die Macher eine durchaus gelungene Alternative zur Sprechergruppe entwickelt: Gedichte bzw. Texte werden von Chormitgliedern unmittelbar aus den Reihen des Chores heraus rezitiert. Die räumliche Beengtheit der Aula wird so vorteilhaft ausgebremst.

Corina Wienmeister, aus ihrer Feder stammten in den vergangenen Jahren die Texte für die Sprechergruppen, traf die Auswahl für die Rezitationen, darunter auch „Zeit“ von Michael Ende aus „Momo“. Das Programm des Abends begeisterte sowohl den Präsidenten der Humboldt-Universität Berlin und ehemaligen Kultusminister Sachsen-Anhalts, Prof. Dr. Jan Olbertz, als auch die Genthiner, die in den hinteren Reihen der Aula Platz genommen hatten.

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Seit dem Sommer vorbereitet

Seit Sommer liefen für dieses Ereignis die Vorbereitungen, die sich über die Liedauswahl bis hin zum Chorlager erstreckten. „Mit 22 neuen Chormitgliedern ist es schwer, wieder einen Klang herauszubekommen“, erklärte Chorleiterin Anke Held die Aufgabe, die der Chor zu bewältigen hatte. Sie stellte in bewährter Weise eine Auswahl an Musikstücken zu einem Programm zusammen, das viele Genres, darunter geistliche Weihnachtslieder bis hin zu modernen Stücken vereinte. Die Portion Humor kommt auch diesmal nicht zu kurz. Alles in allem ein breites, beeindruckendes Spektrum, das die Akteure zu Gehör brachten.

Der Kinderchor war im Programm mit den Titeln „Musik“ und „Traumflieger“ aus dem Musical „Drei Wünsche frei“ von Wolfgang Goldstein vertreten. Der Lehrerchor imponierte dem Publikum in zweifacher Hinsicht. Mutig stimmte er die heitere, und stimmlich schwer zu bewältigende Geschichte von der „Tatschofonie“ an. Das Lied besang die Diagnose des Psychiaters bei zwanghafter Handynutzung. Ziemlich zum Ende des Programms sang der Lehrerchor im Treppenhaus „Bei Gott bin ich geboren“ und reizte damit die Akustik des Schulgebäudes aus.

Tofu-Gans im Angebot

Chorleiterin Anke Held gelang es gemeinsam mit den Gymnasiasten, dem Publikum viele Facetten des Chorgesanges aufzuzeigen. „Jedes Lied stellt den Chor vor ganz individuelle Anforderungen“, hatte sie im Vorfeld des Konzertes gesagt. Bei „Gans oder gar nicht“, hier geht es um eine alternative Tofu-Gans zum Fest, müsse besonders auf den Umgang mit der Sprache geachtet werden. Bei dem vorletzten Lied des Abends „Sei behütet auf deinen Wegen“ sei die polyphone Mehrstimmigkeit eine besondere Herausforderung.

Zu den herausragenden Darbietungen gehörten ohne Zweifel die Solis von Clara Werner mit „Weihnachten daheim“ und Katrin Kjaestandöttir, die ein isländisches Weihnachtslied sang und dazu die Dulcimer spielte. Zu einem rundum gelungenen Konzertabend gehörte es, dass dem Chor beispielsweise bei solchen Titeln wie „Winterwonderwald“ oder „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ stets die Freude am Gesang im Gesicht geschrieben stand und manch mühevolle Probe vergessen schien.

Nach dem langanhaltenden Beifall richtete Prof. Olbertz einige Worte an den Chor, seiner Leiterin und Schulleiter Volker Schütte. Dem ehemaligen Kultusminister ist das Gymnasium aus Besuchen verschiedener Projekte in der Vergangenheit bekannt. Er nutzte am Donnerstag eine Durchreise nach Hannover für einen lang geplanten Abstecher nach Genthin. Er sei selbst Musik-Lehrer und könne gut die Leistung einschätzen, die hier geboten wurde, sagte Olbertz.

Lob aus berufenem Munde

Der Präsident der Humboldt-Universität würdigte in sehr bewegenden Worten die gründliche Arbeit in der Stimmbildung und die Chorarbeit überhaupt, die am Bismarck-Gymnasium geleistet werde. „Halten Sie ihre Musiklehrerin fest, denn mit ihr wissen sie, was sie haben“, empfahl der dem Schulleiter. Die letzten Minuten vor dem traditionellen gemeinsamen Singen des Liedes „Oh du fröhliche“ nutzte Chorleiterin Anke Held, um eine ganz persönliche Bitte an das Publikum auszusprechen.

Advent, führte sie aus, hieße nichts anderes als Ankunft. In einer Zeit, in der dieses Wort für uns alle eine neue Dimension erlebt, mögen unsere Herzen offenbleiben, für die, die ankommen. Das Weihnachtslied „O du fröhlich“ sei übrigens sizilianischen Ursprungs, merkte sie noch an.