Ich kann mich noch genau an mein letztes Weihnachten in Deutschland erinnern. Meine Schwester Kim fehlte - sie war zum Auslandssemester in Südkorea. Und dieses Jahr bin ich diejenige, die 5988 Kilometer von zu Hause entfernt ist. Seit August bin ich über die Organisation AFS in Amerika. Ganz kurzfristig hatte ich erst zu Ostern den Wunsch geäußert - dass meine Mama alle Hebel in Bewegung setzt und es tatsächlich klappt, hatte ich nicht für möglich gehalten.

Ich lebe in einer Kleinstadt in Massachusetts direkt an der Ostküste etwas oberhalb von New York, nicht weit von Boston entfernt. Die Region nennt sich Cape Cod. Nach einem Familienwechsel bin ich nun unglaublich glücklich mit meinen neuen Gasteltern. Ich gehe in die 11. Klasse der Monomoy High School. Nie hätte ich gedacht, dass mir Schule richtig Spaß macht! Anfangs hatte ich Cheerleading ausprobiert, unsere Gruppe hat dem Publikum beim Football eingeheizt. Jetzt in der „Winter Season“ helfe ich hinter den Kulissen beim Schul-Musical. Ab Januar will ich Hip-Hop tanzen.

Meine Familien haben mir schon ermöglicht, die Hauptstadt Washington und auch New York zu erkunden – unvergesslich waren vor allem das Weiße Haus, Ground Zero, das Empire State Building, die Brooklyn Bridge, der Freiheitsstatue und mein absoluter Favorit: der quirlige Times Square.

Meine Familie ist ehrenamtlich sehr engagiert. So begleitete ich meine Eltern zum Packen von 1000 Weihnachtspäckchen für Soldaten im Einsatz und zum Spendensammeln für Obdachlose.

Nach der Schule treffen wir uns manchmal für den „Best Buddies Club“. Wir Älteren aus der 11. Klasse helfen und arbeiten mit Kindern, die aufgrund körperlicher und psychischer Einschränkungen besondere Hilfe brauchen. Beispielsweise waren wir mit ihnen Weihnachtsgeschenke für ihre Familien einkaufen. Diese Kinder haben die selben Wünsche, Hoffnungen und Gedanken wie wir.

Zu Weihnachten gab es zwar keine Butterplätzchen und Hollobche, aber ein großer Traum ging in Erfüllung: Wir sind für fünf Tage ins warme Florida nach Disneyworld in Orlando geflogen! Die Eindrücke überwältigten mich – egal ob bei den Shows, den Paraden oder den vielen Filmkulissen wie von Avatar oder Indiana Jones – unglaublich und unvergesslich! Und anstrengend!.

Ich vermisse meine Familie und meine Freunde, aber ich bin dankbar und es stimmt wohl: „Manchmal muss man sich auf den Weg machen, um herauszufinden, was im Leben wirklich zählt.“