Welch ein denkwürdiger Sonntag in der MDCC-Arena: Der 1. FC Magdeburg bezog gestern gegen Regionalliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC mit 1:6 (1:2) die höchste Heimniederlage seiner Club-Historie (seit 22. Dezember 1965). Nur ein schwacher Trost: Der Sieg der Sachsen ging zwar in Ordnung, fiel vor knapp 7000 Zuschauern aber zu hoch aus.

Magdeburg. Das 1:6, das sich zunächst nicht angedeutet hatte, hinterließ tiefe Spuren auf Seiten des Verlierers. Manager Bartsch sagte mit belegter Stimme: "Eine solche Klatsche tut natürlich richtig weh. Die Mannschaft ist später auseinandergebrochen. Wir hatten allerdings auch viel Pech mit den Schiedsrichterentscheidungen."

Eine Trainerdiskussion wies Bartsch indes weit von sich: "Ruud Kaiser leistet bei uns hervorragende Arbeit. Das sehen auch alle Gremien so."

Kapitän Bauer: "Das war eines FCM nicht würdig. Dabei hatten wir nach dem 2:0 gegen Meuselwitz gedacht, auf dem richtigen Weg zu sein." Keeper Tischer, der einige Male nicht gut aussah: "Nach dem 1:3 ging nichts mehr. Wir stecken mitten im Abstiegskampf."

Präsident Rehboldt war ebenfalls fix und fertig: "Am Ende zählt das Ergebnis. Und das muss man erst einmal sacken lassen. Es gibt sicherlich Erklärungen, aber die behalte ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt lieber für mich ..."

Auch auf anderer Ebene blieb die Heimpleite nicht ohne Folgen: Nach Polizeiangaben wurden vier Beamte verletzt, als sie versuchten, FCM-Fans am Betreten des Stadioninnenraums beziehungsweise Gäste-Blocks zu hindern. Nach Spielende wurde eine Straßenbahn mit Chemnitzer Fans von FCM-Anhängern beworfen. Verletzt wurde hier niemand. Bereits vor Beginn der Begegnung wurde gegen etwa 30 Magdeburger, die CFC-Anhänger am Bahnhaltepunkt "Herrenkrug" in "Empfang" nehmen wollten, ein Platzverweis ausgesprochen.

Zum Spiel: Die Sachsen waren von Beginn an präsent, zweikampfstark, clever, ballsicher und profitierten natürlich auch von ihrem Blitzstart, als Förster der FCM-Abwehr davonlief und dann Tischer den Ball durch die Beine zum 0:1 schoss (2.). Dann rettete Sen gegen Richter auf der Linie (6.). Der FCM in dieser Phase ohne Bewegung, ohne Überraschungsmomente, ohne Torgefahr.

Und nach dem 0:2, als Dobry eine Garbuschewski-Flanke gekonnt ins lange Eck verlängerte, schienen frühzeitig alle Messen gesungen. Doch mit dem 1:2 kam der Club zurück. Verkic hatte nach Wijks-Flanke aus kurzer Distanz per Kopf vollendet (35.).

Nun folgte die stärkste Phase der Platzherren, die Pech hatten, dass gleich zwei Treffer nicht anerkannt wurden. Zunächst pfiff der Unparteiische ein vermeintliches Foul von Verkic an seinem Gegenspieler, so dass der Ausgleich von Wolf nicht zählte (44.), dann hatte der Referee nach der Pause ein Foul an Keeper Pentke gesehen, so dass Wolf erneut leer ausging. Zwischendurch strich ein Kopfball von Friebertshäuser knapp vorbei (51.), scheiterte Wijks mit einem Heber (54.).

Statt des möglichen 2:2 erhöhte der CFC eiskalt auf 1:3 – Wilkes Kopfball landete genau im rechten Winkel (58.) – und sorgte damit für die Vorentscheidung. Was folgte, war eine Lehrstunde der Gäste, die fast aus jedem gelungenen Angriff ein Tor machten. Dobry gelang, als die Club-Abwehr nur zuschaute, per Kopf das 1:4 (78.), Richter staubte zum 1:5 ab (81.), und der überragende Förster setzte mit einem Solo den 1:6-Schlusspunkt (84.).

FCM-Coach Kaiser zu der Packung: "Es war lange ein Spiel auf hohem Niveau, das aber in den entscheidenden Situationen gegen uns lief. Wir haben nicht schlecht gespielt, aber zu einfache Gegentore kassiert."

FCM: Tischer – Müller (10. Halke), Sumelka, Friebertshäuser, Köhne, Wijks, Becker (70. Bauer), Instenberg, Wolf, Sen (60. Georgi), Verkic

Chemnitz: Pentke – Bankert, Trehkopf, Richter, Schaschko, Garbuschews-ki, Peßolat, Wilke, Löwe, Förster (87. Hampf), Dobry (84. Dressler)

Schiedsrichter: Stein (Homburg). Zuschauer: 6978. Tore: 0:1 Förster (2.), 0:2 Dobry (27.), 1:2 Verkic (35.), 1:3 Wilke (58.), 1:4 Dobry (78.), 1:5 Richter (81.), 1:6 Förster (84.). Gelb: Wijks / Wilke