Magdeburg. Es hörte sich vor Saisonbeginn so gut an: Die beiden Neuen auf der Kommandobrücke des FCM, Trainer Ruud Kaiser und Manager Rüdiger Bartsch, hatten alle Freiheiten und wollten – trotz begrenzter finanzieller Mittel – ein Team zusammenstellen, das sich entwickeln und im Jahr darauf ganz oben angreifen sollte. Doch die Realität sieht nach gut einem Drittel des Spieljahres 2010/11 anders aus. Der Club kämpft gegen den Abstieg, und bei den Beteiligten liegen die Nerven blank.

So stellten sich nach dem blamablen 1:1 gegen Türkiyemspor vor nur noch 2900 Zuschauern in der MDCC-Arena (neuer Negativrekord) weder Präsident Volker Rehboldt noch Bartsch wie sonst üblich den Medien, reagierte Kaiser ausgesprochen dünnhäutig. Zunächst hatte er Sprecher Torsten Rohde angewiesen, den Journalisten mitzuteilen, dass er nach der üblichen Pressekonferenz für keinerlei Fragen mehr zur Verfügung stehe. Dann ließ er mächtig Dampf ab, sprach von zu viel Überheblichkeit im FCM-Umfeld: "Türkiyemspor ist doch keine Sch ... mannschaft. Die haben bei RB Leipzig 1:1 gespielt, gegen Kiel ein 0:0 geschafft und beim 2:4 gegen Wolfsburg II 2:0 geführt." Und: "Natürlich hat ein Verein wie der FCM höhere Ansprüche, aber manch einer meiner Spieler eben Probleme, damit umzugehen. Da muss man durch, und da ist auch Geduld gefragt. Das kann man mitmachen oder eben nicht."

Kaiser räumte zumindest ein, dass seine Mannschaft am Sonnabend "viele Fehler gemacht und rund 70 Minuten schlechten Fußball geboten" habe.

Und er weiß, dass ein Trainer letztlich am Erfolg gemessen wird. Da stehen im November, den die Verantwortlichen zum "Monat der Wahrheit" ausgerufen haben, bislang magere zwei Pünktchen zu Buche. Gerade gegen Türkiyemspor, ein Team aus Feierabend-Kickern mit jeder Menge sportlicher und finanzieller Sorgen, hätte ein Pflichtsieg herausspringen müssen.

Andererseits ist der Unmut von Rehboldt, Bartsch & Co. über so manche Kritik von außen durchaus verständlich. Zuletzt hatte FCM-Legende Jürgen Sparwasser ("Beim FCM muss jetzt aufgeräumt werden"/Volksstimme berichtete) Konsequenzen gefordert. Doch bislang blieb es stets bei vagen Andeutungen. Auch Kaiser echauffierte sich: "Wir sind nicht mehr im Jahr 1968 oder 1974, sondern in der Saison 2010/11 und stehen in Liga 4 vor einem schwierigen Neuaufbau." Rehboldt stärkte dem Holländer gestern den Rücken: "Das 1:1 ist natürlich viel zu wenig, aber Ruud Kaiser halte ich nach wie vor für den richtigen Fachmann."