Die Halberstädterin Irmgard Eggert ist bekannt für ihre Erfolge im Laufsport. Jetzt absolvierte sie einen dreitägigen Ultralauf über 174 Kilometer Gesamtlänge, der sie um das ehemalige West-Berlin führte.

Halberstadt (geg/fbo). Auf 155 Kilometern Länge umschlossen Mauer und Streckmetallzaun einst West-Berlin. Die Wegschilder "Berliner Mauerweg" kennzeichnen heute den ehemaligen Verlauf. Diesen Weg nahmen jetzt drei Dutzend Ultraläufer, darunter Irmgard Eggert. In drei Tagen umrundeten sie die ehemalige Enklave im Laufschritt.

"Als ich auf die Ausschreibung stieß, habe ich nicht lange überlegt und mich angemeldet" erinnert sich Irmgard Eggert. Sie entschied richtig, denn in nur zwei Monaten waren bereits alle 40 Startplätze der vom Berliner Verein "LG Mauerweg" initiierten Mauerweg-Tour ausgebucht. Beim Rennsteig-Etappenlauf hatte Eggert bereits Mehrtagestouren absolviert, doch in drei Tagen 174 Kilometer zurückzulegen, war eine besondere Herausforderung.

Ihr Mann Gerald begleitete und ermunterte sie auf dem Fahrrad. Im 38-köpfigen Team zählte Irmgard Eggert zu den 14 Frauen. "Man fühlte sich unter Gleichgesinnten gut aufgehoben", so die Halberstädterin vor dem Start. Der Schirmherr des Laufs, Michael Cramer, berichtete, dass er bereits 1989 die Idee für den "Mauerweg" hatte. Diese ließ sich jedoch erst zum 40. Jahrestag des Mauerbaus umsetzen (2001). Eine dreitägige Tour im Laufschritt über die komplette Distanz habe noch niemand unternommen. Dieser Weg solle eine lebendige Erinnerung an das sein, was einst geschah und die Menschen auf beiden Seiten der Mauer bewegte und trennte.

"Sie erlaufen Politik, Kultur und Geschichte", schickte der Schirmherr die Frauen und Männer vor dem Axel-Springer-Verlagshaus in Berlin-Kreuzberg auf die Strecke. Der Verlauf in der Innenstadt ist durch eine Doppelreihe Kopfsteinpflaster und Metallplatten gekennzeichnet. Der Weg führte vorbei an der East-Side-Gallery und über die Oberbaumbrücke Richtung Neukölln. Am Teltowkanal entlang ging es Richtung Adlershof und weiter nach Lichterfelde und Zehlendorf.

Der Weg führte auch an Birkenwäldchen und Pferdekoppeln vorbei. Eggert war begeistert von der herrlichen Natur. An den reichlich bestückten Verpflegungspunkten wurde kurz pausiert, nach Wahl Warmes oder Kühles getrunken und von der vielseitigen Verpflegung gewählt.

Vorbei am ehemaligen West-Berliner Kontrollpunkt Dreilinden rückte das Ziel immer näher. Das Läuferfeld hatte sich mittlerweile stark auseinandergezogen. "Mal liefen wir zu zweit, mal zu dritt", berichtet die Halberstädterin, "über lange Strecken war ich allein mit meinem Fahrradbegleiter." Nach 64 Kilometern und 7:26:55 Stunden traf Irmgard Eggert als 8. Frau (20. insgesamt) am Tagesziel in Wannsee ein.

Um 7.30 Uhr am zweiten Tag erfolgte der erneute Start. Es regnete mit wenigen Unterbrechungen durch. "Ich habe mir einen Müllsack über den Oberkörper gestreift, der schützte vor Nässe und hielt darunter die Wärme", so Irmgard Eggert. Bald folgte die Überquerung der Glienecker Brücke. An Spandau vorbei erreichten die Läufer nach einigen Kilometern Schönwalde, bevor sie in die 7 km lange Zielgerade einbogen. Eggert kam nach 8:21:00 Stunden an. Damit wurde sie sechste Frau und 20. insgesamt.

Kalt und neblig war es am Tag der "Königsetappe" Den Waldwegen folgten wieder Straßen. Bei Sonnenschein ging es auf Berlin Mitte zu. Die letzten Kilometer gab es deutsch-deutsche Geschichte pur zu erlaufen: Bornholmer Brücke, Mauerpark, Bernauer Straße, Reichstag, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz und Checkpoint Charly.

Das Ziel in der Axel-Springer-Straße erreichte Eggert nach 5:15:12 Stunden. Sie hatte damit nicht nur einen dreitägigen Ultralauf gemeistert, sondern zugleich ihren 100. Marathon absolviert. Platz 20 unter den 36 Finishern und Platz sechs bei den Frauen nach 43 Tageskilometern ließen sie strahlen. Diese Positionen behielt sie auch in der Gesamtauswertung: 21:03:07 Stunden für 174 km.

"Ich bin froh und glücklich, dass ich dabei sein durfte. Es hat mich zwar viel Kraft gekostet, aber die tolle Strecke war ein schöner Lohn für alle Anstrengungen. Die Organisatoren haben alles perfekt vorbereitet", so Eggerts Resümee.