Der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg, Rüdiger Koch, hat den Rücktritt des kompletten Präsidiums (Volksstimme berichtete) gestern bestätigt. Heute soll es dazu eine Pressekonferenz geben. Eine Entscheidung über die Zukunft von Manager Rüdiger Bartsch ist dagegen noch nicht gefallen.

Magdeburg. Am vergangenen Freitag habe, so Koch, das fünfköpfige Präsidium den Aufsichtsrat über den Rücktritt informiert. Schriftlich fixiert sei der Schritt zwar noch nicht, aber es gebe keinen Grund, daran zu zweifeln. Der Aufsichtsratschef begrüßte diesbezüglich das Angebot von Volker Rehboldt & Co., zumindest so lange noch kommissarisch im Amt zu bleiben, bis die Nachfolge geklärt ist.

Koch bedauerte einerseits die Entscheidung, erinnerte daran, dass sein Gremium das Präsidium erst vor einem Jahr wiederbestellt und es stets ein kompetentes Miteinander gegeben habe, verwies andererseits aber auch auf den fehlenden sportlichen Erfolg: "Wenn dieser Erfolg über mehrere Spielzeiten ausbleibt und damit nicht zuletzt die Außendarstellung leidet, ist es normal, dass sich irgendwann ein Präsidium verbraucht und da-raus die Konsequenzen zieht. Das gilt es zu respektieren."

Der 61-Jährige legte jedoch Wert auf die Tatsache, dass er Rehboldt & Co. in finanzieller Hinsicht nichts vorzuwerfen habe. Ganz im Gegenteil: "Im ökonomischen Bereich hat dieses Präsidium den Verein wieder auf solide Füße gestellt und eine Arbeit geleistet, die beispielhaft war." Koch weiter: "Ich werde nicht zulassen, dass diese Arbeit diskreditiert wird!"

Nun ist der Aufsichtsrat gefordert, möglichst schnell ein neues Präsidium einzusetzen. Allerdings, so Koch, gebe es noch keinerlei Kandidaten: "Die Information über den Rücktritt ist erst wenige Tage alt. Wenn wir jetzt schon einen Nachfolger aus dem Hut zaubern würden, wäre das in höchstem Maße unseriös!"

Als nächsten Schritt kündigte Koch ein Treffen des Aufsichtsrates an, an dem auch der Ehrenratsvorsitzende Klaus-Dieter Runge teilnehmen und bei dem diskutiert werden soll, "welche Strukturen es eventuell zu verändern gilt". Das heißt konkret: Der Aufsichtsrat muss sich erst einmal darüber im klaren sein, ob ein neuer Präsident weiterhin ehrenamtlich oder, was ein Novum wäre, hauptamtlich tätig werden soll. Koch dazu: "Ein Aspekt, der von der Satzung her gedeckt ist und der auch nicht dazu führen muss, dass der Club finanziell zusätzlich belastet wird."

Ebenfalls noch offen ist die Zukunft von Bartsch, der eine Doppelfunktion ausübt, nämlich zu 80 Prozent Geschäftsführer der Stadion- und Sportmarketing GmbH (SSG) und zu 20 Prozent Manager des FCM. Koch betonte, dass er nur für den Club sprechen könne und kündigte eine "zeitnahe Entscheidung" an, in die aber das "alte" Präsidium und auch der Aufsichtsrat mit einbezogen werden sollen. "Wir dürfen uns auch deswegen nicht zu lange Zeit lassen, weil sich der Verein der Verantwortung gegenüber dem Manager bewusst ist und verhindern muss, dass er in seiner Person beschädigt wird", so Koch.

Aber kann Bartsch unter diesen Umständen überhaupt noch konstruktiv für die SSG und den FCM arbeiten? Der 46-Jährige steht massiv in der Kritik, soll einerseits die Vermarktung vernachlässigt haben und trägt andererseits (zusammen mit Trainer Ruud Kaiser) für eine Mannschaft Verantwortung, die nach – zugegeben gutem Start – mittlerweile gegen den Abstieg kämpft.