Von Uwe Tiedemann

Magdeburg. Der Wintereinbruch macht auch vor dem Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg nicht halt. Gestern wurde das Auswärtsspiel bei Holstein Kiel erwartungsgemäß abgesagt. Derweil muss Trainer Ruud Kaiser in Anbetracht der widrigen Witterungs- und Platzverhältnisse nicht nur improvisieren, sondern auch der neuen Situation Rechnung tragen, dass nach dem Rücktritt des Präsidiums auch Rüdiger Bartsch seinen Posten als Manager verloren hat und nicht mehr zur Verfügung steht.

"Ich finde es sehr schade und bin auch ein bisschen darüber enttäuscht, wie es gelaufen ist, hatte gedacht und gehofft, dass wir drei, also Trainer, Manager und Präsidium, unseren Zwei-Jahresplan gemeinsam durchziehen. Natürlich ist es sportlich nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Man darf aber nicht vergessen, dass wir zu Saisonbeginn bei Null angefangen haben und dass allen klar sein musste, dass es Rückschläge geben kann. Eine der größten Krisen des Vereins sehe ich auch nicht, weil ich denke, dass die Probleme in der vergangenen Saison viel größer waren, weil so hohe Spielergehälter bezahlt werden mussten. Manchmal ist die Situation eben so, dass man einen Schritt zurückgehen muss, um dann zwei nach vorne zu machen", sagte der 49-Jährige und ergänzte: "Die Erfolglosigkeit ist nur eine Momentaufnahme. Das wird in der Rückrunde ganz anders aussehen."

Sein Optimismus rührt daher, dass er glaubt, das Hauptproblem ab 2011 beheben zu können: "Wir verfügen bei Ausfällen über zu wenig Führungsspieler. Da müssen wir den Hebel ansetzen, und ich denke, dass wir uns in der Winterpause zumindest auf zwei Positionen mit Spielern verstärken können, die die nötige Erfahrung und Stabilität mitbringen."

In dem Zusammenhang schloss Kaiser auch nicht aus, sich von derzeit im Kader stehenden Akteuren zu trennen, um so weiteren finanziellen Spielraum zu bekommen. Der Holländer weiß natürlich um das drohende Loch in der Kasse und bedauerte, "dass wir dermaßen von Zuschauerzahlen abhängig sind". Kaiser setzt deshalb in erster Linie auf Sponsoren, die bereit sind, die zusätzlichen Mittel aufzubringen.

Die Zusammenarbeit mit Bartsch bezeichnete der FCM-Chefcoach im Nachhinein als ausgezeichnet, widersprach auch Gerüchten, der Manager habe sich zu sehr in sportliche Dinge eingemischt und nannte diesbezüglich folgendes Beispiel: "Wenn es heißt, Rüdiger Bartsch hat vor Saisonbeginn durchgesetzt, dass sein Sohn Patrick in die erste Mannschaft rückt, ist das Blödsinn. Erstens besaß Patrick schon einen Vertrag, und zweitens hatte mir Rüdiger Bartsch sogar angeboten, seinen Sohn auszuleihen, wenn er es sportlich nicht packen sollte. Das hielt ich aber nicht für nötig, weil er seine Sache ordentlich gemacht hat."

Momentan gehört Bartsch zu einer Reihe verletzter bzw. angeschlagener Spieler (Bauer, Wolf, Instenberg, Verkic, Sen), so dass die Zwangspause (Kaiser: "Auf diesem Boden gleicht Fußball ohnehin einer Lotterie") nicht einmal ungelegen kommt. Der Coach will am heutigen Sonnabend auf Kunstrasen trainieren (sofern dieser dann geräumt ist), gewährt seinen Schützlingen am Sonntag einen freien Tag und legt am Montag wieder los, um sein Team auf das letzte Heimspiel in diesem Jahr gegen den Überraschungs-Zweiten VfB Lübeck (Freitag 19 Uhr, MDCC-Arena) vorzubereiten.

Wie der Verein gestern mitteilte, wurde für den 5. Januar ein Testspiel in Magdeburg gegen den Zweitligisten 1. FC Union Berlin vereinbart.