"Tradition und Sachverstand" will Aufsichtsratsvorsitzender Rüdiger Koch beim 1. FC Magdeburg künftig wieder mehr Gewicht verleihen. Ein Mitglied des neuen Präsidiums mit "Sportfachkenntnis" soll hauptamtlich arbeiten. Darüber hinaus denkt Koch an ein ehrenamtliches Beratergremium (Volksstimme berichtete). Bei FCM-Altrepräsentativen findet diese Idee volle Zustimmung.

Magdeburg. Joachim Streich, mit 102 Länderspielen Rekord-Auswahlspieler des DFV, derzeit Angestellter in einem Magdeburger Sportartikel-Markt, stimmt mit Koch überein: "Sportlicher Sachverstand im Präsidium ist sehr wichtig, aber noch bedeutsamer erscheint mir die wirtschaftliche Kompetenz." Mit dem 59-jährigen Diplom-Sportlehrer hat nach eigenen Angaben diesbezüglich noch niemand vom FCM gesprochen. Interessant allerdings seine vielsagenden Worte: "Die Frage nach einer hauptamtlichen Tätigkeit beim FCM stellt sich mir derzeit nicht. Man müsste auf mich zukommen. Dann könnte man über alles reden."

Manfred Zapf, der 16-mal das Auswahltrikot trug, für den FCM 467 Pflichtspiele absolvierte und jetzt in Berlin lebt, meinte zur Situation bei seinem Verein: "Viel schlimmer als zurzeit geht es nicht mehr. Es muss etwas passieren." Anscheinend habe man beim FCM erkannt, dass wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle spielen, aber das sportliche Ergebnis komme zu kurz. "Wenn mein Rat gefragt ist, bin ich immer dabei." Als "eine richtige Idee" erachtet es der einstige FCM-Verteidiger, im Präsidium einen hauptamtlichen Sportfachmann zu installieren: "Ich werde bald 65 und drängele mich nicht danach. Aber man soll nie nie sagen …"

Auch Wolfgang Steinbach (56), der es auf 28 Länderspiele brachte und derzeit Regionalliga-Konkurrent SV Wilhelmshaven trainiert, verfolgt aufmerksam die Entwicklung beim FCM und beteuerte nicht zum ersten Mal: "Für den FCM würde ich alles machen, sogar von Wilhelmshaven zu Fuß nach Magdeburg kommen." Dann jedoch lässt Ex-Spielmacher "Maxe" seiner Entrüstung freien Lauf: "Der FCM hat mit ehemaligen Spielern wie Jürgen Pommerenke, Wolfgang Segiun, Joachim Streich und Manfred Zapf seine Galionsfiguren vor der Haustür. Warum werden sie nicht schon längst einbezogen? Nur so konnte es beispielsweise dazu kommen, dass beim Spiel gegen Hannover Lothar Kurbjuweit (66-facher DDR-Nationalspieler vom FC Carl Zeiss Jena, jetzt Sportdirektor der Thüringer/d. Red.) auf der Tribüne der MDCC-Arena saß, nicht begrüßt, nach dem Spiel nicht in den VIP-Raum gebeten wurde und sich dann gleich in sein Auto setzte und wegfuhr. Ich schäme mich für diese Politik. Mir ist Ähnliches noch nie passiert, wenn ich zu Spielbeobachtungen in Jena, Dresden, Leipzig oder Erfurt war."

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Das Regionalliga-Team des FCM hatte nach der zweiten Spielabsage vom Freitag ein freies Wochenende. Heute beginnt Trainer Ruud Kaiser mit der Vorbereitung auf die für Sonntag (13.30 Uhr) angesetzte Partie bei der U 23 des Hamburger SV. "Die Absage war eine vernünftige Entscheidung", so der Holländer, der in der Winterpause kein Trainingslager im Süden plant und nach der Sonntagspartie seinen Akteuren einige Tage Urlaub gönnen will. Am 3. Januar ist Trainingsauftakt.

Gestern wurde bekannt, dass der glücklose Angreifer Eddy Vorm eine Freigabe für einen möglichen Vereinswechsel erhalten soll. Dagegen signalisiert der Regionalligist, der sich in der Winterpause auf mindestens zwei Positionen verstärken will, Interesse am vereinslosen Mittelfeldspieler Kosta Rodrigues (31).

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