Magdeburg. Das hat es in der 20 jährigen Geschichte der Sportlerumfrage in Sachsen-Anhalt so auch noch nicht gegeben: Da kündigen zwei Stars bereits bei der Ehrung 2010 an, dass sie sich in zwei Jahren, nach den Sommerspielen in London, einen heißen Kampf um die Krone des besten Athleten des Bindestrich-Landes liefern wollen.

Den Fehdehandschuh hingeworfen hatte am Wochenende in Magdeburg bei der Proklamation der "Sportler des Jahres" der Zweitplatzierte, der zweifache Turn-Europameister Matthias Fahrig vom SV Halle. Adressat der Herausforderung: sein Clubkamerad und Schwimmweltstar Paul Biedermann. Ein gut gelaunter Fahrig: "In London versuche ich, nach Gold zu greifen und anschließend mit Paul um die Ehre des besten Sportlers in Sachsen-Anhalt zu ringen."

Der nahm die Herausforderung umgehend an: "Zunächst werde ich 2011 versuchen, bei der WM in Schanghai meine zwei Titel zu verteidigen und dann ein Jahr später in London erstmals auch nach olympischen Medaillen zu greifen. Und anschließend werde ich natürlich mit ,Matze‘ um die Ehre in Sachsen-Anhalt ringen."

Und noch etwas erfuhren die Gäste der Ehrung im Magdeburger MDR-Funkhaus so ganz nebenbei: Biedermann wäre gern Eishockey-Spieler geworden. "Diese Sportart reizt mich, aber ich bin natürlich mit Leib und Seele Schwimmer. Und deshalb ist es mein Ziel, bis Olympia 2016 bei der Stange zu bleiben und anschließend meine Laufbahn zu beenden."

Einer, der ihn bis dahin – wahrscheinlich – auf Schritt und Tritt begleiten wird, ist sein Trainer Frank Embacher. Der frühere Rückenschwimmer stand am Wochenende zusammen mit seinem Schützling auf der Bühne: Der 46 Jährige wurde als Sachsen-Anhalts "Trainer des Jahres" ausgezeichnet. Und um die Sache so richtig rund zu machen, ging der vom Landessportbund (LSB) vergebene Preis des besten Nachwuchstrainers an Embachers Ehefrau Cornelia, die beim SV Halle die Eleven betreut.

Doch damit der Ehrungen nicht genug. Der erstmals vergebene Preis des besten Juniorsportlers blieb in Magdeburg und ging an U-20-Fußball-Weltmeisterin Almuth Schult vom MFFC. "Das ist ein toller Abschluss eines für mich ereignisreichen Jahres", meinte die Keeperin, die zuletzt als Reservetorhüterin sogar in den A-Kader berufen worden war. Doch an die WM 2011 im eigenen Land verschwendet sie noch keinen Gedanken: "Da sind schon noch einige vor mir. Ich wäre schon sehr stolz, wenn ich als Nummer vier zumindest die Vorbereitung mitmachen dürfte."

Dass jedoch auch ein Platz in der absoluten Weltspitze noch lange kein sorgenfreies Dasein verspricht, davon kann Lothar Müller, Präsident von Rot-Weiß Zerbst, des Champions-League-Gewinners der Kegler, ein Lied singen. Den Scheck über 1500 Euro, den sein Team für die Auszeichnung als Mannschaft des Jahres bekommen hatte, hütete der 57 Jährige wie einen Augapfel: "Ihr glaubt gar nicht, was diese Summe, über die Fuß- oder Handballer vielleicht lachen mögen, für uns bedeutet. Wir sind reine Amateure, verdienen mit unserem Sport kein Geld. Jeden Cent, den wir ausgeben, müssen wir uns regelrecht erbetteln. Deshalb ist eine solche Ehrung für uns auch mehr als nur eine moralische Anerkennung."