Wo vor Jahren das Schülergewimmel verschwand, soll neues entstehen: Das ehemalige Schulgebäude an der Prälatenstraße wird derzeit kindgerecht saniert. In Planung ist, dort eine ökumenische Grundschule zu eröffnen. Der Mietvertrag ist bereits unterschrieben.

Magdeburg. "Wir möchten gern eine Schule aus einem Guss anbieten", sagt Dietrich Lührs, Schulleiter des Ökumenischen Domgymnasiums (ÖDG), das in der Landeshauptstadt seit 20 Jahren in freier Trägerschaft besteht. Die Idee für eine angebundene Grundschule entstand in der Schulleitung. Es erleichtere den Schülern den bisher "abrupten Übergang" ans Gymnasium. Der Standort in der Prälatenstraße empfehle sich durch die Nähe zum Dom und zur St.-Sebastian-Kirche, so Lühr.

Die Ökumene als Bekenntnis reiche jedoch kaum aus als Begründung für eine neue Schule, hat Gymnasialleiter Lührs in Erfahrung gebracht. Deshalb werde man die GS als evangelische Bekenntnisschule beantragen. Das bedeutet, ein Mindestprozentsatz evangelischer Schüler muss vorhanden sein. Es wäre die zweite GS dieser Ausrichtung, neben der evangelischen Grundschule in der Külzstraße. "Wir stehen in ständigem Kontakt", betont Lührs, "ebenso mit der katholischen Schule St. Mechthild." Denn den ökumenischen Gedanken möchte man trotz allem beibehalten und entsprechend auch Kinder anderer Konfessionen aufnehmen bzw. von Eltern, die sich "bewusst für eine ökumenische Prägung entscheiden", betont Lührs. An Konkurrenz zu den anderen kirchlichen Schulen sei nicht gedacht, im Gegenteil: "Es wird einen Kooperationsvertrag geben." Eine dritte Schule würde die beiden anderen entlasten, da die Platznachfrage sehr groß sei, so der Schulleiter.

Geplant ist zunächst eine einzügige Belegung, sprich: nur eine Klasse pro Stufe. Für die ersten drei Jahre. Finanziert durch die Eltern. Ab dem vierten Schuljahr ist eine zweizügige Erweiterung angedacht. Dann greift auch die staatliche Förderung (3 Jahre sind Bedingung).

Laut Schulgesetz, Artikel 7, kann eine Grundschule in freier Trägerschaft gegründet werden, wenn sie über konfessionelle Prägung oder ein besonderes pädagogisches Konzept verfügt. Dies werde vom Kultusministerum geprüft, informiert Kerstin Klötzing, Pressesprecherin des Kultusministeriums. Der Antrag muss bis 1. Januar 2012 eingereicht sein, bis zum 1. Juni entscheidet das Ministerium.

Das Domgymnasium hat sich den November als Abgabetermin erwählt. Bis dahin sollen Konzept und Schulleitung feststehen (die Leiter/-in-Stelle ist ausgeschrieben). Ab Frühjahr 2012 sollen Anmeldungen möglich sein, hofft die ÖDG-Schulleitung. Interessenten können sich im Internet auf dem Laufenden halten unter www.domgrundschule-magdeburg.de. Über den Newsletter wird über die Anmeldemöglichkeit informiert, wenn es so weit ist.

In diesen Tagen wird in dem Gebäude, das ab dem Jahr 1904 errichtet wurde, fleißig saniert. Die künftigen Mieter haben bei der Ausstattung ein Mitspracherecht, ist von Sylvia Zimmermann zu erfahren. Die Assistentin des Schulleiters wurde mit der Vorbereitung beauftragt. "Unsere Wünsche werden berücksichtigt, wir sind in die Gestaltung stark mit eingebunden, bis hin zur Mensa."

Der Zugang zur neuen Grundschule soll über die Prälatenstraße 8 erfolgen, er wird barrierefrei gestaltet. Eine Turnhalle steht in der Leiterstraße 8 zur Verfügung, so Zimmermann. Geplant ist auch eine Hortbetreuung.

Die bereits prekäre Parksituation in der Prälatenstraße (wenige Anwohnerparkplätze, Gäste der Jugendherberge, hinzu kämen Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen) sieht die ÖDG-Schulleitung nicht als Problem. "Es wird sicherlich möglich sein, notfalls 100 Meter vom Parkplatz zur Schule zu laufen", sagt Lührs.

Die Max-Josef-Metzger-/Prälatenstraße gehört zu den "traditionellen Magdeburger Schulstandorten" (Info Stadtplanungsamt). Der erste Bau entstand in den 1830er Jahren. In den Gebäuden waren u. a. die Luisenschule, die 1. Bürger-Mädchenschule, die 1. Volksknabenschule und die altstädtische katholische Schule beheimatet.

In Sachsen-Anhalt gibt es 44 private Grundschulen, vier davon in Magdeburg. Grundschulen insgesamt gibt es 37 in der Landeshauptstadt.

   

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