Magdeburg - Die Stornierungswelle nach dem Juni-Hochwasser könnte die Tourismusbranche in Sachsen-Anhalt rund 20 Prozent der Jahreseinnahmen kosten. So lautet eine vorsichtige Schätzung der Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes, wie deren Sprecherin Frauke Flenker-Manthey der dpa sagte. Mittlerweile helle sich die Stimmung im Tourismusgewerbe Sachsen-Anhalts nach dem Schock im Juni langsam wieder auf. "Die Talsohle ist durchschritten", sagte sie. Von Euphorie ist die Branche aber noch weit entfernt: "Die Flüsse sind in ihre Betten zurückgekehrt, die Gäste noch nicht."

300 Hotels und Gaststätten hatten demnach direkt mit Flutschäden zu kämpfen. In der wichtigsten Zeit des Jahres zwischen Juni und August hätten diese Ausfälle von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssen. Dabei war das Jahr 2013 schon schlecht gestartet. Die Zahl der Gästeübernachtungen ging in den ersten fünf Monaten um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Dies geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes von Anfang des Monats hervor. Bis Ende Mai wurden rund 2,5 Millionen Übernachtungen erfasst. Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) hatte schlechtes Wetter dafür verantwortlich gemacht. Für Juni und Juli gibt es noch keine Zahlen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte aber bereits im Juni unter Berufung auf eine Umfrage unter 1000 Betrieben erklärt, er rechne mit einem Hochwasserschaden von rund 100 Millionen Euro bei seinen Mitgliedern.

Doch jetzt mehren sich die positiven Anzeichen. "Nahezu überall ist alles wieder buchbar", sagte Flenker-Manthey. Auch die Mückenplage, die nach der Flut viele Touristen abschreckte, sei kein Thema mehr. So habe beispielsweise in der Altmark die Nachfrage deutlich angezogen. "Wir sind dankbar für das aktuell gute Wetter", sagte die Sprecherin. "Wir hoffen jetzt auf einen goldenen Herbst." Das gelte besonders für Hoteliers an Saale und Unstrut. Dort befindet sich das nördlichste Weinbaugebiet Deutschlands. Deshalb kommen traditionell viele Gäste während der Weinlese im September und Oktober in die Region. Rund um Magdeburg und im Harz normalisiere sich die Lage. Dass Feriengäste ihre Reisen in den Harz überhaupt stornierten, schmerzte besonders - denn diese Region war vom Hochwasser kaum betroffen.

Schwierig bleibe die Lage in der Region Anhalt rund um Wittenberg und Dessau. In der von der Flut besonders heimgesuchten Gegend gebe es noch bis Ende August über die Maßen Stornierungen. Für den September sehe es allerdings auch dort besser aus. Für einen Tag kämen schon wieder viele Gäste, es hapere aber noch bei den Übernachtungen.

Bereits im Juli hatte die Marketinggesellschaft versucht, mit einer bundesweiten Plakataktion die Nachfrage wieder anzukurbeln. 225 Plakate hingen zehn Tage lang in 14 westdeutschen Großstädten. Die Botschaft: "Sachsen-Anhalt ist gerade jetzt eine Reise wert". Insgesamt wurden nach der Flut rund 120 000 Euro für Werbung ausgegeben. Wirtschaftsminister Möllring hatte im Juli den Radtourismus als wichtige Aufbauhilfe bezeichnet. Besonders die Wege an der Elbe sind bei Radfahrern beliebt.