Magdeburg - Der Prozess um mutmaßliche Misshandlungen in einer Magdeburger Kindertagespflege ist geplatzt. Zunächst solle ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit von drei Zeuginnen eingeholt werden, teilte ein Sprecher des Landgerichts Magdeburg am Mittwoch mit. Wann der Prozess neu aufgerollt wird, stehe noch nicht fest. Zwei Tagesmüttern wird vorgeworfen, ihnen anvertraute Kinder gequält und geschlagen zu haben.

In dem Mitte Juli gestarteten Prozess hatte sich unter anderem eine ehemalige Praktikantin unsicher gezeigt und war von früheren Angaben abgewichen. Auch zu Verhaltensauffälligkeiten bei den möglicherweise geschädigten Kindern soll ein Gutachten eingeholt werden.

Die beiden Angeklagten - eine 52 Jahre alte Frau und ihre 28-jährige Tochter - hatten eine Kindertagespflege betrieben. Dort sollen sie zwischen 2010 und 2011 ihren Schützlingen unter anderem Toilettenpapier in den Mund gestopft und nasse Windeln ins Gesicht gedrückt haben. Die Frauen hatten zum Prozessauftakt die Misshandlungsvorwürfe bestritten.

Die betroffenen Kinder können nach Angaben des Gerichtssprechers im Prozess nicht vernommen werden. Sie seien damals zwischen einem Jahr und drei Jahren alt gewesen. Stattdessen wurden unter anderem ehemalige Mitarbeiter der Kindertagespflege als Zeugen gehört. Die Strafprozessordnung erlaubt eine Prozessunterbrechung in der Regel von maximal nur drei Wochen - deshalb muss der Fall neu aufgerollt werden.