Wenddorf l So langsam verlassen uns die Schwalben und fliegen in wärmere Gefilde. Bei Willfried Ernst fanden sie optimale Bedingungen vor, um für reichlich Nachwuchs zu sorgen.

„Im Stall hatten 14 Rauchschwalben-Brutpaare ihre Nester, und an den Außenmauern habe ich zwölf Mehlschwalben-Brutpaare gezählt“, berichtet der Wenddorfer, als ihm Herbert Bilang vom Landesverband des Naturschutzbundes die Urkunde und die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ überreicht. „Durchschnittlich drei bis vier Junge sind bei jeder Brut geschlüpft“, hat Willfried Ernst beobachtet. Manche Paare brüteten in diesem Sommer sogar dreimal.

Das kann Herbert Bilang bestätigen. „Es gab in diesem Jahr genug Nahrung für die Schwalben, die Insekten aller Art bevorzugen und diese im Flug fangen.“ Jetzt würden die pfeilschnellen Flieger nach Süden aufbrechen, wo sie in Zentralafrika überwintern.

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Vor fünf Jahren eine Eulenkasten angebracht

Doch Willfried Ernst ist nicht nur für Schwalben ein guter Gastgeber. Der Wenddorfer hat vor fünf Jahren auf dem Scheunenboden einen Eulenkasten angebracht. „Seit 2011 gab es dort alljährlich erfolgreiche Schleiereulenbruten“, berichtet Ernst und sorgt damit für unverhohlene Freude bei Herbert Bilang, der als ausgesprochener Eulenexperte gilt. „Lediglich im vergangenen Jahr brüteten hier keine Schleiereule, dafür aber ein Turmfalkenpaar“, erzählt Willfried Ernst weiter.

Aber in diesem Jahr habe sich die Eule behauptet. Stolz kann er berichten, dass erst kürzlich vier junge Schleiereulen den Brutkasten verlassen haben.

Schleiereule brütet noch einmal sechs Eier au

Als Herbert Bilang den Kasten auf dem Scheunenboden in Augenschein nehmen wollte, staunten die beiden Männer nicht schlecht. Beim Anheben des Deckels bemerkten sie das Eulenweibchen, dass anscheinend brütete. Und tatsächlich: Im Kasten liegen sechs Eier, die das Schleiereulenpaar noch ausbrüten will.

„So eine späte Brut ist zwar nicht alltäglich, aber letztendlich auch nicht sensationell“, betont Herbert Bilang, der sich ebenso sehr wie Willfried Ernst über diesen Fund freute. „Die Eulen finden in diesem Jahr reichlich Mäuse. Deshalb beginnen sie noch einmal zu brüten“, macht der Eulenexperte deutlich.

Auch Störche fühlen sich bei Familie Ernst in Wenddorf wohl. „Jahrelang haben sie den Horst auf dem Stallgebäude bewohnt und für Nachwuchs gesorgt. Doch offensichtlich ist das Männchen nicht mehr da. Das Weibchen, wir haben es am Ring erkannt, brütete in diesem Jahr in Sandbeiendorf“, erzählt Willfried Ernst.

Für Herbert Bilang ist der alte Bauernhof in Wenddorf ein nachahmenswertes Beispiel für gelungenen Artenschutz. „So muss es sein. Stallungen und Scheune sind zugänglich für die gefiederten Gäste.“

Auch wenn die letzten Schwalben bald unser Land verlassen, geht die Aktion des Naturschutzbundes „Schwalbenfreundliches Haus“ weiter, betonte Herbert Bilang. „Besitzer von Häusern und Grundstücken, auf denen nachweislich Schwalben gebrütet haben, können sich noch beim Landesverband melden.“

Die Geschäftsstelle des Naturschutzbundes Sachsen-Anhalt ist in 39104 Magdeburg, Schleinufer 18a, Telefon 0391/561 93 50, zu erreichen.