Magdeburg l In den Hochwasserschutz-debatten nach der Flut 2013 ist die Kanonenbahnbrücke schon zur Sprache gekommen – und ihr Abriss. Im Stadtrat sah es am Donnerstag zunächst nach einem Votum pro Erhalt aus. Es kam anders.

Anlass der neuen Brückendebatte war die Fortschreibung des Rahmenplans zur Entwicklung der Rotehorninsel. Bereits zuvor hatte der Stadtrat grünes Licht für den Hotelneubau am Standort Haus der Athleten gegeben, obwohl der Landesbetrieb für Hochwasserschutz rechtliche Bedenken gegen den Bau im Überflutungsgebiet anmeldet. Eine Ratsmehrheit wischte sie Seite an Seite mit der Verwaltung vom Tisch, weil sie sich den dauerhaften Bestand der flutgeschädigten Hotelruine im Park nicht vorstellen mag. Der Neubau soll flutsicher und mit durchfließbarer Tiefgarage errichtet werden.

Ein flutsicheres Bauwerk ließe sich zweifelsfrei, aber bei unklaren Kosten, auch aus der jahrhundertalten Kanonenbahnbrücke machen. Der Bauausschuss und die Fraktion der Grünen forderten, dass dem Brückendenkmal im Stadtpark-Entwicklungsplan Beachtung geschenkt wird. Die Verwaltung erwähnte es in dem Papier erst gar nicht. Bewusst, wie der Baubeigeordnete klarstellte. „Das wäre unehrlich. Wir haben eine andere Zielstellung“, sagte Dieter Scheidemann. Am Ausgang der Debatte machte Oberbürgermeister Lutz Trümper unmissverständlich klar: „Wir suchen einen Weg, wie wir helfen können, die Brücke abzureißen.“

Bilder

Brücke trifft Brücke

Der Baubeigeordnete warf ein Schreckensszenario an die Wand – in Form eines Bildes vom Sommerhochwasser 2013. Beim Pegelstand von knapp 7,50 Meter schrammte die Flutwelle um Haaresbreite unter dem wackligen Aufbau der historischen Brücke durch. Nicht auszudenken, wenn die Fluten ihn ergriffen, heruntergerissen und gegen die Anna-Ebert-Brücke geschleudet hätten.

Für den Bauausschuss plädierte dessen Vorsitzender Falko Grube (SPD) zunächst für die Prüfung des Brückenerhalts. „Wir waren uns alle einig, dass es schön wäre, wenn sie stehen bleibt.“ Die Grünen können sich eine Nutzung für Radfahrer und Fußgänger vorstellen.

Trümper schüttelt den Kopf. Er will die Brücke nicht mal geschenkt. Eigentümer ist ein Verein, den die Elbchaussee GmbH gegründet hat. Die Investorengruppe kaufte den Elbbahnhof von der Bahn AG und entwickelte ihn zum florierenden Stadtviertel. Kaufbedingung war die Übernahme gleich dreier maroder Bahnbrücken: Hubbrücke, Kanonenbahnbrücke und ein weiterer Übergang am Winterhafen. Während die Hubbrücke mit Spendenhilfe begehbar wurde, dümpeln die anderen als Ruinen vor sich hin. Die Verwaltung lehnt die Übernahme ab. Trümper hält für „wirtschaftlich nicht vertretbar“, neben dem geplanten Brückenneubau und der Sanierung der Anna-Ebert-Brücke auch noch die Kanonenbahnbrücke aus Steuergeld zu ertüchtigen. Stadt und Verein betreiben den Abriss.

Für den Bauausschuss machte Grube eine Rolle rückwärts und zog den Antrag auf Prüfung des Brückenerhalts zurück. Die Grünen kassierten folgerichtig eine Abfuhr für ihre Forderung, den Radverkehr über die Kanonenbahnbrücke zu leiten.