Wolmirstedt l Die Historische Ratssitzung gehört seit den 1990er Jahren zum Programm des Stadtfestes und hat bereits eine feste Fangemeinde. Auch in diesem Jahr spielten Stadträte in prächtigen Theaterkostümen vor großem Publikum. Das kam wieder voll auf seine Kosten, denn Gudrun Billowie hatte ein Stück Wolmirstedter Historie wie gewohnt mit vielen aktuellen Bezügen auf die Freilichtbühne gebracht.

Die Geschichte entführte in das Jahr 1717, als in der Ohrestadt Soldaten stationiert waren, die ohne Erlaubnis aus der Ohre Fische fingen. Wie sich die vier Ratsfrauen und zehn Ratsherren über diesen geschichtlich verbürgten Frevel aufregten, löste bei den Besuchern immer mal wieder Beifall oder Gelächter aus.

Vor der imposanten Kulisse von Wolmirstedt im Jahr 1885 waren Rebecca Lange und Waltraud Wolff, Uwe Claus, Heinz Maspfuhl und Kurt Prilloff mit besonderer Spielfreude bei der Sache. Aber auch Martin Stichnoth, Gerhild Schmidt und Christine Laqua sowie Detlef Horstmann, Rudolf Giersch, Jürgen Bednorz, Fritz-Georg Meyer, Jörg Bonewitz, und Marc-Andrè Krogel-Riemann konnten überzeugen und genossen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Wenn sich der Stadtrat nämlich zu seinen „ernsthaften“ Beratungen trifft, sind nur ganz selten Bürger anwesend. Dabei haben die gelegentlichen Verbalduelle durchaus auch Unterhaltungswert. Allerdings: Gesungen wird im Rathaus wohl nicht.

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Das ist seit dem Vorjahr zur Freude der Besucher bei der Historischen Ratssitzung üblich und würzte auch diesmal die gelegentlich gestelzten Wortgefechte. Freudig stimmten die bis auf den letzten Platz besetzten Ränge beispielsweise mit ein, als umgeschriebene Hits wie „Ein Bett im Kornfeld”, „Du kannst nicht immer siebzehn sein” oder „Ich war noch niemals in New York” erklangen.

Die zahlreichen kleinen und großen Probleme, über die sich die Wolmirstedter derzeit aufregen, wurden wohl trotz Verklausulierung von allen Zuschauern verstanden. So wurde vortrefflich über Ärztemangel, Sanierung des Sportstadions, die ständig geschlossenen Bahnschranken oder die seit langer Zeit gesperrte Triftstraße fabuliert und manchmal erstaunliche Lösungen vorgeschlagen.

Die Dragoner sollten als Strafe unter der Bahnlinie einen Tunnel bauen oder im Küchenhorn gegen das Hochwasser Erde aufschütten. Viel zu gut verstanden die Wolmirstedter den Hinweis auf den vom „Verbund der Wasserleute” geforderten Herstellungsbeitrag und so stimmten alle nach „Atemlos” von Helene Fischer ein: „… 20 Jahre oder noch viel länger ist das her”.

Großen Raum im Stück nahm die Diskussion zur Aufnahme der Dragoner auf. Ob damit der aktuelle Zuzug von Flüchtlingen in der Ohrestadt gemeint war? Wer weiß! Wichtig ist, dass das Stück gut ausging, denn Stichnoth verkündete: „Jeder soll gut bei uns leben können”.

Wie es Usus ist, wurde zum krönenden Abschluss Freibier ausgeschenkt. Und Ratsherr Krogel-Riemann stimmte das letzte Lied an, das an diesem schönen Sonntag alle vereinte: „Die kleine Stadt hier bei uns an der Ohre, da sind die Menschen so gut wie sie sind.”