Salzwedel l „Der bei den Salzwedeler Bürgern noch im Gedächtnis befindliche Raubmord, der im vergangenen Jahr an der Perver-Mühle in einem Kornfelde an einem Russen verübt wurde, scheint jetzt seine Aufklärung zu finden“, schreibt die Salzwedel-Gardeleger Zeitung am 30. November 1920. Bereits drei Tage zuvor, am 27. November, verhaftete die Polizei den Russen Wassilin Potapenko. Dieser war als Kriegsgefangener nach Salzwedel gekommen und lebte im Lager an der Arendseer Straße. Doch von dort war er getürmt. Jedenfalls suchte ihn die Lagerinspektion seit geraumer Zeit, wie die Zeitung weiter berichtete.

Wassilin Potapenko arbeitete bei einem Gutsbesitzer im heutigen Arendseer Ortsteil Ladekath. Dort war er gemeinsam mit seiner Landsfrau Julia Hoschko angestellt. Sie zeigte Potapenko an und sagte bei der Polizei aus, dass er ihr im Vertrauen erzählt habe, dass er der Mörder sei.

Gemeinsam mit einem Komplizen habe er den Russen mit seinem eigenen Revolver erschossen und ihm ungefähr 13 000 Mark abgenommen, die der Tote bei diversen Geschäften verdient hätte. Wenige Tage nach dem Mord haben beide die Stellen bei dem Gutsbesitzer angenommen.

Warum die Frau Potapenko erst ein Jahr nach der Tat angezeigt hat, ist heute reine Spekulation. Aber: Die Zeitung schrieb damals, dass die beiden auch privat miteinander verkehrten. Vielleicht ist die Beziehung von Potapenko und Hoschko in die Brüche gegangen und die Frau hat ihn aus Rache bei der Polizei verpfiffen.

Jedenfalls bestritt Wassilin Potapenko nach der Verhaftung, für den Raubmord an der Perver-Mühle, deren Nachfolger noch heute am Perver-Friedhof steht und auch Gahrnsche Mühle genannt wurde, verantwortlich zu sein. Die Zeitung war sich aber sicher und schloss den Text mit folgenden Worten: „Da der mutmaßliche Mörder bis jetzt noch nicht das geringste eingestanden hat, wird es die Aufgabe der Polizei sein, Klarheit zu schaffen, damit auch dieses scheußliche Verbrechen seine wohlverdiente Sühne findet.“