Calvörde/Kämkerhorst l Festes Schuhwerk und wetterfeste Jacken brauchten gestern Hans Walker (CDU), Landrat im Landkreis Börde und Michael Ziche (CDU), Landrat im Altmarkkreis Salzwedel, denn es galt, sich die aktuellen Naturschutzmaßnahmen im Gebiet des Zweckverbandes Natur- und Kulturlandschaft Drömling anzusehen. Beide Landkreise sind nämlich wichtige Mitglieder des Zweckverbandes und unterstützen diesen finanziell. „Gleichwertig mit den beiden Landkreisen ist auch die WWF – World Wildlife Fund, die international tätig ist, Mitglied im Zweckverband. Deshalb sind wir auch in allen Entwicklungen involviert“, ergänzte Biologin Silke Engling.

Die Fischaufstiegstreppe Kolonie Frische war die erste Station der Tour. „Durch die Schaffung des künstlichen Ohrelaufs haben sich im Drömling Tier- und Pflanzenarten mit speziell angepassten Lebensraumansprüchen angesiedelt, die es nun zu bewahren und zu fördern gilt“, schilderte Matthias Kausche, Geschäftsführer des Zweckverbandes Drömling, die Situation.

Neun Wehre mit Anlagen ausgestattet

Um die Barrierefreiheit für die Fische zu schaffen, hatte es bereits Ende 2011 eine erste Maßnahme im Rahmen des im Jahr darauf ausgelaufenen Naturschutzgroßprojektes Drömling gegeben. Am Verteilerbauwerk nördlich von Buchhorst entstand die erste Fischaufstiegsanlage im Niedermoorgebiet. Weitere Anlagen folgten an der Hoffmannsschleuse zwischen Mannhausen und Sachau sowie die Fischtreppe bei Kämkerhorst. Die Bauarbeiten an der Fischaufstiegsanlage am Krähenfuß zwischen Miesterhorst und Rätzlingen sollen im Laufe der kommenden Monate beginnen.

Mittelfristig sind es neun Wehre, die zwischen Calvörde und Jahrstedt mit solchen Anlagen ausgestattet werden. Zu den Entwicklungsmaßnahmen gehört auch die Anbindung von Altmäandern (Flussschlingen) der Ohre im südlichen Drömling sowie Maßnamen zur Pflege der Gewässerrandstreifen, die unter anderem gezielt der natürlichen Sukzession überlassen beziehungsweise mit Gehölzen gepflanzt werden“, erklärte Kausche.

Fische schwimmen bald barrierefrei

2027 sollen alle neun geplanten Fischtreppen fertig sein. Dann können die Ohre-Fische zumindest über „einen weiten Zeitraum des Jahres“, so Matthias Kausche, ungehindert zwischen Oberlauf und Elbe wandern. Denn in den Bereichen Uthmöden, Haldensleben und Wolmirstedt gebe es außerhalb des Verbandsgebietes weitere Stauanlagen in der Ohre, die allerdings nur zeitweise Hindernisse darstellen würden.

Vom Rastplatz der halboffenen Weidelandschaft in Röwitz ging die Tour zum Beo-bachtungsturm am Jercheler Heuweg.

Beeindruckende Entwicklung

Landrat Walker fasste nach der Drömlingsreise seine Eindrücke zusammen: „Wir hatten heute diesen Termin, um uns ein Bild von der Entwicklung des Drömlings zu machen – schließlich kommt man ja nicht jeden Tag hierher. Ich bin beeindruckt, was hier alles geschaffen wurde und bin davon überzeugt, dass der Zweckverband und die Geschäftsstelle eine gute Arbeit machen. Wir – Landkreise – wollen uns jetzt strategische Gedanken machen, wie es in Zukunft weiter gehen soll.“ Landrat Ziche pflichtete seinem Amtskollegen bei und betonte: „Wir wirken schon seit Jahrzehnten im Zweckverband mit und haben bestimmte Zielstellungen. Wir haben nun gesehen, wie die Vorhaben umgesetzt wurden. Wir wollen jetzt das Geschaffene erhalten und sichern. Es soll eine kleine Arbeitsgruppe gebildet werden, um auch den Kreistagen spätestens 2018 die Vorhaben vorzulegen, damit man sich auch dort mit den Zielen auseinander setzen kann.“ Der Drömling sei – nach den Ausführungen von Ziche – nicht nur für die Landkreise, sondern auch für Sachsen-Anhalt in Sachen Naturschutz und Tourismus ganz wichtig. „Auch das Großprojekt Bios-phärenreservat wollen wir natürlich begleiten. Wir sehen es als Chance für die Region. Der Natur-Tourismus – gepaart mit Aktiv-Tourismus – hat ja auch Zukunft, deshalb wollen wir uns auch zukünftig am Naturschutz beteiligen“, ergänzte Ziche.