Magdeburg l Anstehen für eine neue Frisur. Knapp 130 Bedürftige sind am Sonntag der Einladung von Mitgliedern der Barber Angels Brotherhood (englisch: Bruderschaft der Friseur-Engel) gefolgt und haben sich beim Städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb an der Sternstraße eingefunden. Hier wurden sie nicht nur mit einer Mahlzeit und neuer Kleidung sowie Kosmetik- und Hygieneartikeln versorgt, sondern auch mit einem professionellen Haarschnitt. „Damit geben wir den Gästen buchstäblich ihr Gesicht zurück“, so Cathrin Gruhn. Die Friseurmeisterin und ihr Ehemann Niccoló hatten sich vor drei Jahren den Barber Angels angeschlossen und erstmals solch einen Einsatz in der Landeshauptstadt organisiert. „Damals hat sich gezeigt, dass es auch hier einen Bedarf an Hilfe gibt“, so das Paar.

Wenn das Geld knapp ist

Diese Hilfe geht weit über die materielle Unterstützung hinaus. „Sie sind so herzlich, hier kann ich einmal ausgelassen sein und auch lachen. Daheim bin ich alleine mit meinen Problemen“, so eine 55-Jährige, die aus Scham ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Einen Frieseurbesuch kann ich mir leider nicht leisten. Das Geld ist bei mir knapp, ich muss es für Essen ausgeben“, sagte ihr Tischnachbar leise.

Mit dem Termin am Sonntag fand der bislang achte Einsatz der Barber Angels in Magdeburg statt. „Wir werden immer größer. Die Zahl der Gäste wächst, weil es sich herumspricht, dass man uns vertrauen kann. Auch die Unterstützer werden mehr“, freut sich Niccoló Gruhn. Mittlerweile zählen das Technische Hilfswerk (THW) Magdeburg, der Verein Green Bike sowie verschiedene Gastronomen und zwei Filialen einer Drogeriekette zum festen Kreis derer, die sich mit einbringen. Friseure reisten extra aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Berlin an.

Erfahrungen stimmen nachdenklich

Aus Magdeburg war unter anderen Paraskevi Valera mit dabei. „Die Dankbarkeit, die wir erfahren, ist unbeschreiblich“, sagt sie. „Gern würden wir noch mehr Friseure aus der Stadt begrüßen“, so Niccoló Gruhn. Sportler David Wrobel griff auf Wunsch eines Gastes zur Haarschneidemaschine. „Aus den Gesprächen erfährt man, wie schnell es gehen kann, dass man auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist. Das stimmt nachdenklich“, sagte der Diskuswerfer, der zum Netzwerk der Barber Angels gehört.

Der Verein hat es geschafft, im Sinne der angepeilten Nachhaltigkeit seine Einsätze im Drei-Monats-Rhythmus zu organisieren. Der nächste soll im Mai wieder im Bereich des Hauptbahnhofs als Freilufttreffen auf die Beine gestellt werden. Im Juni ist Magdeburg dann der Austragungsort des europaweiten Treffens der Friseur-Engel, die sich unter anderem in Frankreich und Spanien organisieren. Etwa 200 Mitglieder werden dazu erwartet.

Mehr zu den Friseur-Engeln ist hier zu erfahren: www.b-a-b.de www.facebook.de/barberangelsbrotherhood