Schollene l Sabrina Müller von der „Häuslichen Krankenpflege mit Herz“ erfüllt sich mit der Einrichtung einer Tagespflege einen langgehegten Wunsch.

Es ist schon fünf Jahre her, dass Kinderstimmen die Klassenzimmer im alten Backsteingebäude erfüllten. Seit die Schule 2014 geschlossen wurde, fristete das über 100 Jahre alte Gebäude ein tristes Dasein. Nun erwacht es so langsam aus dem kurzen Dornröschenschlaf. Noch braucht es zwar etwas Phantasie, um sich eine moderne Pflegeeinrichtung vorzustellen. Aber die Bauarbeiter der Ferchelser Firma haben ja auch erst vor kurzem mit dem Projekt begonnen. „Insgesamt wird es wohl ein Jahr dauern“, rechnet Sabrina Müller. Sie ist froh, dass es nach langer Zeit der Planung nun endlich losgeht. „Ein Traum wird wahr!“ steht sie mitten in der Baustelle und lässt ihren Blick schweifen. Zunächst erst einmal wird entkernt und das Dach neu eingedeckt, damit auch über den Winter weitergearbeitet werden kann.

Schon lange hegte Sabrina Müller den Wunsch, für die Patienten ihrer Häuslichen Krankenpflege mit Herz die Tagespflege anbieten zu können. „Der Bedarf ist groß, schon jetzt gibt es Anfragen, wann es los geht.“

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In guter Nachbarschaft zu Arzt und Kita

2001 hatte sich die gebürtige Rehbergerin mit einer Partnerin selbsttständig gemacht. Zu zweit kümmerten sie sich um die Pflegebedürftigen der Region. Schnell wuchs der Bedarf und somit der Betrieb, der inzwischen 21 Mitarbeiter hat. Domizil ist sein ein paar Jahren die alte Volksbank, von hier aus starten die Schwestern zu ihren täglichen Touren. „Mit dem Gedanken, die alte Schule zu kaufen, habe ich schon länger gespielt. Aber da wollte die Gemeinde sie noch nicht verkaufen. Aber ich bin dran geblieben und auf eine erneute Anfrage vor zwei Jahren erhielt ich den Zuschlag. Das Haus ist einfach ideal: mitten im Ort, in Nachbarschaft zum Arzt Ben Güldenpfennig, nebenan der Kindergarten – besser geht es nicht!“ Zusammen mit Planer Michael Wege schmiedet Sabrina Müller Pläne für die knapp 400 Quadratmeter inklusive Anbau, erarbeitete Konzepte und hielt dann Mitte dieses Jahres die langersehnte Baugenehmigung in Händen. Anliegen: So viel wie möglich vom alten Charme der Schule erhalten und dennoch alles Moderne für die Betreuung der Tagesgäste schaffen.

Im Erdgeschoss wird rechts vom Eingang von der Straße aus der große Aufenthaltsraum eingerichtet. Ein großer Anbau als Wintergarten ermöglicht den Senioren bequem und auch mit dem Rollstuhl im Grünen zu sitzen. Hier auf dem alten Schulhofgelände wird dann auch noch ein Garten angelegt, in dem auch Dinge angebaut werden, die in der Küche zu verarbeiten sind. Die Küche wird rechts vom Eingang eingerichtet. Und zwar so, dass hier nicht nur alle Mahlzeiten für die Gäste zuvereitet werden können, sondern die Senioren auch selbst mithelfen können.

Vier Plätze Kurzzeitpflege

In der ersten Etage, in die man über die breite Treppe oder mit dem noch anzubauenden Fahrstuhl gelangt, wird eine Pflegepension für die Kurzzeitpflege eingerichtet, links und rechts je zwei großzügige Zimmer mit einem Bad. „Hier können Pflegebedürftige für ein paar Tage oder wenige Wochen, wenn sie zu Hause nicht betreut werden können, einziehen“, erklärt Sabrina Müller. Zwei der Zimmer haben sogar Dachterrasse, die über dem Wintergarten angelegt wird.

Und dann gibt es da noch die Räume unter dem Dach. Hier entstehen die Büros und die Aufenthaltsräume für die Schwestern, die Nachtwachen für die Kurzzeitpflege können sich hier hinlegen.

Entschuldigungszettel aus 60-er Jahren

Die Sorge, dass das alte Gebäude noch die ein oder andere „Überraschung“ bringt, war umsonst. „Die Substanz ist gut“, sagt Polier Mike Gläsmann. Nur wenige der alten Balken müssen ausgetauscht werden, das Mauerwerk ist in gutem Zustand.

Ein paar Überraschungen gab es aber doch! Die Bauarbeiter fanden ein altes Biologie- und ein Bummi-Buch und einen ganzen Stapel Entschuldigungszettel. Und wie es der Zufall so will ist auch einer dabei, den die Oma von Sabrina Müllers Mann für ihren Sohn Ottmar – also Sabrina Müllers Schwiegervater – geschrieben hatte. Weil er zum Zahnarzt musste, konnte er nicht zur Schule kommen.

Wenn voraussichtlich im Spätsommer 2020 die Einrichtung öffnet, müssen auch noch drei bis vier neue Arbeitskräfte eingestellt werden – das Projekt ist also rundum ein Zugewinn für die Region.

Dank an alle Unterstützer

„All das kann ich aber nur stemmen, weil mein Mann Maik, unsere beiden Söhne, meine Eltern und Schwiegereltern und vor allem auch die Mitarbeiterinnen voll hinter mir stehen und mir gerade jetzt während der Bauphase den Rücken frei halten – dafür bin ich ihnen sehr dankbar!“, kann sich Sabrina Müller auf die Unterstützung im Umfeld verlassen.