Hamburg/Berlin (dpa/tmn) - Selbst die kleinsten Kinder sind oft einfallsreicher, als man vermutet. Aber sieht man erst mal einem Einjährigen beim Herumtapsen im Haus zu, erkennt man die Gefahren.

Der greift nach allem, was er entdeckt, dreht und wendet es, fasst alles an, was ihm in den Hände fällt. Da wird auch schnell klar, warum man ihn vor Steckdosen schützen muss. Oder Steckdosen vor ihm. Doch die gängigsten Lösungen können Brände verursachen.

Das Problem: Der Stecker erreicht die Kontakte nicht gut genug

Die Kunststoffplättchen von Aufsätzen zum Aufkleben oder Einschrauben, mit denen bereits eingebaute Steckdosen vor kleinen Kinderhänden geschützt werden sollen, liegen auf den Dosen auf. Damit verlängern sie den Weg des Steckers zum Steckkontakt, erklärt die Aktion Das sichere Haus.

Die Stecker können also nicht so tief eindringen wie vorgesehen. Das erhöht den elektrischen Widerstand. Die Folge: Stecker und Steckdose können erhitzen, ein Brand ist möglich.

Diese Einschätzung teilt Frank Steinmüller, Abteilungsleiter für Home & Building beim Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). "Der Abstand zwischen den Kontakten des Steckers und der Steckdose wird verändert, so dass angeschlossene Geräte überhitzen können und somit ein potenzielles Brandrisiko besteht."

Die Gefahr eines Brandes ist aber nur dann erhöht, wenn es sich um Geräte und Steckdosen handelt, die lange oder dauerhaft miteinander verbunden sind. "Das passiert normalerweise nicht, wenn der Staubsauger oder der Föhn für ein paar Minuten eingesteckt sind", so Steinmüller. "Kritisch wäre aber zum Beispiel ein Batterieladegerät."

Die Lösung für Hausbesitzer: Integrierte Kindersicherungen

Der VDE-Experte Steinmüller empfiehlt, die üblichen Steckdosen gegen Modelle mit integrierter Kindersicherung, sogenannten Shuttern, auszutauschen. "Solche werden von den Markenherstellern angeboten und bieten gegenüber normalen Steckdosen den zusätzlichen Kinderschutz."

Dazu rät auch die Aktion Das sichere Haus. Der Berührungsschutz dieser Steckdosen deckt über eine innenliegende Absicherung in Form eines Drehflügels die Öffnungen ab. Solche Steckdosen sind im Handel mit dem Zusatz "mit erhöhtem Berührungsschutz" und "nach VDE 620" gekennzeichnet.

Das ist aber eigentlich nur eine Möglichkeit für Neubauten und Sanierungen beziehungsweise Häuser oder Wohnungen im eigenen Besitz. Denn es handelt sich dabei um einen kompletten Austausch der Steckdosen. Mieter müssen eine solche Maßnahme vom Vermieter genehmigen lassen - und es kann selbst dann sein, dass dieser darauf besteht, dass die Spezialsteckdosen beim Auszug wieder ausgebaut werden. Zumal der Austausch vom Fachmann vorgenommen werden sollte.

Die Lösung für Mieter: Der Schwerpunkt-Schutz

Die Aktion Das sichere Haus rät zu aufsteckbaren Kappen, die die Steckdosen komplett verschließen und nur geöffnet werden, wenn man sie braucht. Das ist natürlich jedes Mal umständlich. Und einschränkend lässt sich hierzu auch sagen: Manche Kinder packen dieses Hindernis, gerade die experimentierfreudigen Älteren.

Der zweite Ratschlag, schwere Möbel vor Steckdosen zu schieben, eignet sich auch nur für jene, die man üblicherweise nicht benutzt.

Steinmüller rät daher, strategisch vorzugehen: "Ich würde einen Schwerpunkt auf ausgewählte Steckdosen setzen, auf jene, an die die Kinder gut rankommen." Wer auch diese nicht komplett austauschen kann, dem empfiehlt er dann doch die Sicherungsplättchen - und eben nur die zeitweise Nutzung von Geräten daran, um das Überhitzen zu vermeiden.

Der Elektrik-Experte stellt aber klar: "Steckdosen sind per se sicher." Das Problem sind auch nicht Kinderfinger, die in den Öffnungen herumstochern. "Sondern wenn Kinder Objekte reinstecken - etwa die Miene eines Kugelschreibers, ein vergessener Nagel oder eine herumliegende Schraube."

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