Düsseldorf (dpa) - Die Corona-Krise wird nach Ansicht von Handwerksvertretern neue Ausbildungsverträge für Schulabgänger in diesem Jahr deutlich verzögern. "Viele Betriebe können keine Verträge abschließen, weil sie gar nicht an Auszubildende rankommen", sagt Andreas Oehme vom Westdeutschen Handwerkskammertag.

Es fehle der persönliche Kontakt, der normalerweise durch Praktika, Schulveranstaltungen oder Jobmessen mit Betrieben und potenziellen Bewerbern entstehe - eine Lücke, die Unternehmen und Messebetreiber versuchen, digital zu schließen.

Die Deutsche Bahn, Rewe, Penny, etliche andere Unternehmen und sogar die Bundespolizei gehören zu jenen rund 100 Ausstellern, die sich am Mittwoch (27. Mai) mit einem virtuellen Messestand auf der Azubi-Messe des Branchenmagazins "Jobwoche" präsentieren. Für Hamburg und Niedersachsen gab es bereits ähnliche Formate, nach Angaben des Veranstalters mit rund 12.000 beziehungsweise 4500 Teilnehmern. Interessierte Schüler und Jobsuchende können vom Handy oder heimischen Laptop aus in digitale Räume laufen und sich beraten lassen - einzige Voraussetzung sind Webcam und Mikrofon.

Rewe-Recruiterin Kim Wittmann hat die ersten drei Beratungen schon hinter sich. "Für Corona-Zeiten ist das schon eine gute Lösung", erzählt sie im Video-Call. Zwar fehle es teilweise an der persönlichen Vernetzung, dafür seien die Kosten für Aussteller im Vergleich zu einer normalen Messe deutlich geringer. Wird das Format auch nach Corona Bestand haben? Die Recruiterin kann sich das durchaus vorstellen.

Wie stark Corona das Ausbildungsjahr 2020 tatsächlich belasten wird, lässt sich erst in einigen Monaten sagen. Ende April zählte die Bundesagentur für Arbeit in NRW mit 92.968 Ausbildungsstellen etwas weniger Lehrstellen als im Vorjahr. Auch die Zahl der potenziellen Bewerber lag mit 93.360 unter dem Wert von April 2019.

Oehme vom Westdeutschen Handwerkskammertag ermuntert Betriebe und Bewerber, sich nicht zu stark auf den Ausbildungsbeginn zum 1. August zu versteifen, wenn es mit der Vermittlung dauert. Auch spätere Einstiege seien kein Problem. Die Handwerksbranche sieht er außerdem als Fels in der Brandung: Im Gegensatz zu anderen Branchen habe das Handwerk - mit Ausnahme von Friseuren oder Kosmetikern - einigermaßen stabil weiterarbeiten können. Ein großer Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt sei daher nicht zu befürchten.

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