Wie reagiert man als Kind auf den Selbstmordversuch seiner Mutter? Man schreibt ihr eine Liste mit allem, was das Leben schön macht. Davon erzählt ein berührendes Theaterstück in Stendal.

"All das Schöne", ein lebensbejahendes Ein-Mann-Stück des Briten Duncan Macmillan steht derzeit im Theater der Altmark auf dem Spielplan. Für den Biber sprach Magdalena Burkhardt mit dem Regisseur Louis Villinger über die Inszenierung.

Biber: Die britische Zeitung "The Guardian" bezeichnet "All das Schöne" als "ein umwerfend komisches Stück". Worum geht es?

Louis Villinger: Anders als das Zitat vielleicht erwarten lässt, geht es um ein sehr ernstes Thema, nämlich um das Thema Depression. Ein Mann berichtet von der Erkrankung seiner Mutter und seinen eigenen psychischen Problemen. Um seiner Mutter zu helfen, hat er als Siebenjähriger begonnen, für sie eine Liste mit all dem zu schreiben, was das Leben lebenswert macht. Eine Liste, mit allem, was schön ist. Natürlich muss er feststellen, dass die Liste die Mutter nicht heilen kann. Und auch er selbst erlebt im Lauf seines Lebens immer wieder Rückschläge und Tiefpunkte. Trotz allem verliert er nie den Humor, und ein Stückchen von dem kindlich-naiven Glauben daran, dass es wichtig ist, sich an das Schöne im Leben zu erinnern, bleibt ihm immer erhalten. Deshalb enthält auch das Stück trotz der ernsten Themen immer wieder komische Elemente. Es ist eine Einladung, das Leben und die kleinen Momente, die es lebenswert machen zu feiern und eine Aufforderung, offen mit dem Thema Depressionen umzugehen - leider nach wie vor keine Selbstverständlichkeit in unserer leistungsorientierten Gesellschaft.

Biber: Das Thema "Depression" ist kein einfaches. Wie schaffen Sie es in Ihrer Inszenierung, den lebensbejahenden Blick des Stücks zu behalten?

Louis Villinger: Der Text von Duncan Macmillan und Jonny Donahoe hat es uns nicht schwer gemacht, da er eine große Leichtigkeit ausstrahlt und sehr unaufdringlich und mit viel Humor geschrieben wurde. Auch die interaktiven Momente, in denen der Schauspieler Matthias Hinz das Publikum in seine Erzählung einbindet, lockern die Inszenierung immer wieder auf.

Biber: "All das Schöne" ist ein Ein-Mann-Stück. Was ist die Herausforderung, solch ein Stück zu inszenieren?

Louis Villinger: Monologstücke haben definitiv ihre Besonderheiten, da eben nur eine Person auf der Bühne steht. Es ist mir wichtig, den Schauspieler bestmöglich dabei zu unterstützen, seine Version dieser Geschichte zu erzählen. Die eigentliche Herausforderung im Fall von "All das Schöne" lag für mich aber darin, dass die Mitspieler von Matthias Hinz die Zuschauer selbst sind. Wir haben uns also immer wieder Gäste auf die Probe geholt, die den Text nicht kannten. Das war eine spannende, bereichernde Erfahrung.

Biber: Das Publikum wird in der Inszenierung eine Rolle spielen. Welche Besonderheiten bringt die Interaktivität des Stücks mit sich?

Louis Villinger: Das bedeutet vor allem, dass der Abend jedes Mal anders verlaufen wird. Es gibt einige Stellen im Stück, an denen Matthias auf die Reaktionen des Publikums eingeht und mit den Zuschauern interagiert. Das ist sehr spannend, und es können wirklich tolle und besondere Momente dabei entstehen. Es muss sich aber jetzt kein Zuschauer Sorgen machen, dass er irgendwelche schwierigen Dinge tun oder dauernd mitmachen müsste - alle Gäste haben bisher gesagt, dass es ganz unkompliziert ist und sie sich wohlgefühlt haben.

Biber: Und welche drei Sachen der Liste aus "All das Schöne" würden auch auf Ihrer Liste der Dinge, die die Welt schön machen, stehen?

Louis Villinger: Nummer 996. Den Berg runter radeln. 997. Richtig gute Orangen. 2390. Menschen, die nicht singen können, denen das aber nicht bewusst oder völlig egal ist. Sehr schön finde ich auch: 26. Ins Meer pinkeln und keiner merkt's.

Info

"All das Schöne" wird am 15. und 16. März jeweils um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters der Altmark in Stendal gezeigt, außerdem am 17. März um 18 Uhr. Alle weiteren Termine im März, April und Mai kann man dem Spielplan auf der Webseite www.tda-stendal.de entnehmen. Die Tickets sind online und an der Theaterkasse erhältlich.

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