Biber: Anfangs war die Verhu¨llung Ihres Gesichts eines Ihrer Markenzeichen. Inzwischen treten Sie aber ohne Maske und Kapuze auf. Was hat den Sinneswandel herbeigefu¨hrt, ist es eine Art Reifeprozess?

The Dark Tenor: Mein neues Album „Symphony of Ghosts“ ist ein Bekenntnis zu den Geistern meiner Vergangenheit und Gegenwart. Ich stellte mir vor knapp zwei Jahren die Frage, warum manche Dinge in meinem Privatleben wie in einer Endlosschleife immer wieder gleich sind. Warum sich Dinge nicht ändern und weiterentwickeln. Als ich dann anfing, meine Sichtweise zu ändern und mich mit einigen Geistern auseinanderzusetzen, wurde mir klar, dass die Konversation mit einem selbst nur funktioniert, wenn man die schützende Maske abnimmt und sich „nackt“ stellt. So ist mein neues Album das Bekenntnis zu mir selbst und somit das bisher persönlichste Album. Die „Hood“ (Kapuze)wird als Markenzeichen immer Teil meines Äußeren bleiben, jedoch nehme ich diese auch während der Liveauftritte ab.

Biber: Ihren bürgerlichen Namen halten Sie trotzdem geheim. Warum?

The Dark Tenor: Die neuen Songs sind alle ehrlich und direkt, sie beschreiben die letzten vier Jahre meines Privatlebens und die positiven Schlüsse, die ich daraus zog. Ich möchte gern, dass die Musik weiterhin im Mittelpunkt steht. So tut mein Name nach wie vor nichts zur Sache.

Biber: Sie mögen die Show, das Mystische, das groß Inszenierte, richtig? Hat diese Vorliebe vielleicht mit Ihren US-amerikanischen Wurzeln zu tun?

The Dark Tenor: Es geht mir darum, mein Publikum in eine Welt zu tauchen, in der das tägliche Leben für die Zeit des Konzerts ausgeblendet wird. Wenn man die CD kauft, hört man die Musik und fängt an, eigene Assoziationen und Emotionen aufzubauen. Für ein Konzert gehört für mich mehr dazu, als nur das zu spielen, was man auf CD bereits gehört hat. Die musikalischen Arrangements sind live weiter ausgearbeitet, und ich lege, neben einem tollen Sound, viel Wert auf ein tolles Bühnenbild, sodass nicht nur die Ohren, sondern auch die Augen etwas bisher Ungesehenes erleben können! Ob dies etwas mit meiner Nationalität zu tun hat, weiß ich nicht – ich denke eher, dass ich gern neue Dinge sehen möchte, die ich selbst auch noch nicht gesehen habe und es toll finde, mich auch da kreativ auszuleben! Bühnenbild, Licht und Musik sollen miteinander verschmelzen und ein einmaliges Erlebnis für jeden bieten. Ich freue mich schon sehr auf die „Symphony of Ghosts“-Tour, weil ich ein Bühnendesign bauen darf, welches ich schon immer mal machen wollte! Es wird die bisher aufwändigste „The Dark Tenor“-Bühne.

Biber: Sie haben als Kind und Jugendlicher unter anderem im Dresdner Kreuzchor gesungen und sind ausgebildeter Opernsa¨nger. Warum haben Sie nicht die klassische Richtung eingeschlagen?

The Dark Tenor: Meine Liebe zur Klassik ist nach wie vor ungebrochen. In meiner Zeit im Dresdner Kreuzchor durfte ich unglaublich viele Menschen treffen und Länder wie Japan, Israel, Frankreich, Spanien, Polen und Deutschland auf langen Tourneen bereisen. Es war eine aufregende Zeit. Meine Zeit im Extrachor der Semperoper in Dresden hat mir sehr viel Spaß gemacht! Jedoch verstand ich auch, dass es bei einer Wagnervorstellung schwierig ist, junge Leute und Klassik-Fremde von dieser Musik zu begeistern. Ich fasste mit meinem Umzug nach Berlin den Plan, mit meinem Produzenten Bernd Wendlandt herauszufinden, wie man Klassik „cool“ machen kann. So haben wir dann mit der Plattenfirma Universal Music das Experiment wagen dürfen, Klassik neu zu interpretieren und sogar Elemente, die man eher aus dem Theater oder der Oper kennt, einzubinden. So entstand die Idee der „The Dark Tenor“-Figur des ersten Albums. Die Idee ist, Klassik für „Klassisch-Unerfahrene“ interessant zu machen. Und wir sind immer wieder überrascht, wie stark dies bei einem stark durchwachsenen Publikum von 8 bis 80 Jahren begeistert.

Biber: Welche klassischen Werke finden Sie cool, welche eher einschla¨fernd? Und welche Musik ho¨ren Sie gerade privat am liebsten?

The Dark Tenor: Tatsächlich bin ich ein Fan großer Requien. Die Dramatik und gleichzeitig Schönheit dieser Kompositio-nen fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Seien es nun Mozart oder Brahms, Dvorak oder Verdi. Natürlich gibt es aus meiner Jugend im Kreuzchor eine Tonne cooler A-capella-Musik, die jeder kennt. Einige davon habe ich direkt in meine Alben aufgenommen. Einschläfernd finde ich Klassik kaum, es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Ich bin kein Singer-Songwriter-Fan und liebe Bands wie „Alter Bridge“, „Disturbed“, „Bon Jovi“, „Aerosmith“ und „Halestorm“.

Biber: Ihr aktuelles Album „Symphony of Ghosts“ handelt von Erinnerungen, die uns pra¨gen, das sind natu¨rlich auch negative Erlebnisse. Warum bescha¨ftigen Sie sich mit den Geistern der Vergangenheit?

The Dark Tenor: Nur im Gespräch mit der Vergangenheit hat man eine Möglichkeit, die Zukunft neu und bewusst zu gestalten. Einige Geister werden für immer bleiben und nur zeitweise schwächer sein. Wenn man sich aber dieser „Geister“, also den Erlebnissen und den „Narben“, bewusster wird und sich diesen persönlichen Themen stellt, hat man die Chance, sich außerhalb des Tellerrands zu bewegen. Da, wo es wirklich spannend wird. Es ist eine positive Reise – es klingt etwas esoterisch, aber tatsächlich ist es eine Reise zu einem selbst und zu dem Verständnis, die Zukunft wirklich neu gestalten zu können, wenn man sich seiner Vergangenheit bewusst ist.

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