Erneut Anschlag gegen A-14-Gegner

Böller explodiert im Bahnhof Seehausen - Basislager der Waldbesetzer verwüstet

Die Demos von Gegnern und Befürwortern des Weiterbaus der Autobahn 14 in der Altmark am Pfingstwochenende haben ein heftiges Nachspiel. Das Basislager der Waldbesetzer im Bahnhof Seehausen wird verwüstet, nach einer Explosion flüchten die Täter. Zeugen rufen die Polizei, die Tatverdächtige stellen kann.

Von Regina Urbat und Ingo Gutsche
In der Nacht zum 17. Mai 2021 brannte der Eingang des ehemaligen Bahnhofs in Seehausen. Dort betreibt die Initiative "Keine A14" einen Infoladen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.
In der Nacht zum 17. Mai 2021 brannte der Eingang des ehemaligen Bahnhofs in Seehausen. Dort betreibt die Initiative "Keine A14" einen Infoladen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung. Foto: Feuerwehr

Seehausen - Der vermeintliche Sprengsatz war ein Böller: Im Anschluss an die Versammlungen von Gegnern und Befürwortern der A14 war Freitagnacht, 21. Mai, eine Explosion im Bahnhof in Seehausen gemeldet worden, wie die Polizeiinspektion (PI) Stendal mitteilt.

Da die Klassifizierung des Böllers noch offen ist, also noch untersucht wird, ob dieser handelsüblich oder Marke Eigenbau ist, ermittelt die Polizei derzeit auf jeden Fall wegen Sachbeschädigung. „Denn die untere Etage wurde augenscheinlich verwüstet“, sagt die PI-Pressesprecherin Beatrix Mertens. Noch in der Nacht zum Samstag konnten anhand von Zeugenaussagen ein Tatverdächtiger und eine weitere verdächtige Person festgestellt werden. Die Ermittlungen laufen noch, fügt die Pressesprecherin auf Volksstimme-Nachfrage hinzu. Eine direkte Auseinandersetzung zwischen den Aktivisten und den Tätern werde laut der PI-Sprecherin ausgeschlossen. Verletzt worden sei niemand.

Aktivisten alarmieren die Polizei

Alarmiert wurde die Polizei in Stendal am Freitag gegen 23.30 Uhr. Laut Volksstimme-Informationen von Aktivisten, die seit mehreren Tagen das in Privatbesitz befindliche Bahnhofsgebäude in Seehausen für sich und die Waldbesetzer zur Basis erklärt haben. Von dort aus wird ihr Protest in einem Forstgebiet bei Losse, das zum Stadtwald Seehausen gehört, gegen den Weiterbau der A14 organisiert.

Ob sich in dem Gebäude zur Tatzeit Aktivisten und womöglich Waldbesetzer aufgehalten hatten, dazu machte die Polizei keine Angaben. „Vor Ort wurden von den Beamten Aussagen von sieben Zeugen zu den Tatverdächtigen, die nach dem Anschlag geflüchtet waren, aufgenommen“, so Beatrix Mertens.

Laut Polizeibericht haben die Täter eine provisorische Tür des Gebäudes auf der Seite der Bahngleise eingetreten und sich so widerrechtlich Zutritt verschafft, die Verwüstungen angerichtet und einen Böller gezündet. Bei der umgehenden Fahndung im Stadtgebiet von Seehausen wurde in der Arendseer Straße dann eine Gruppe von etwa acht Personen festgestellt. Die Kontrolle hat ergeben, dass auf einen 31-jährigen Mann aus Seehausen eine der Täterbeschreibungen passte. Von ihm und einer weiteren verdächtigen Person sind die Personalien aufgenommen worden.

Ermittlung wegen vorsätzlicher Brandstiftung

Dieser Anschlag im Nachgang der Versammlungen von Freitag, 21. Mai, bei denen sich zum Ende beide Lager in Gruppen zu je 100 Personen in der Nähe des Bahnhofsvorplatzes in Seehausen formiert hatten, ist der zweite Vorfall, bei dem es über eine verbale Auseinandersetzung hinausging.

In der Nacht zum 17. Mai, einem Montag, gab es bereits einen Brandanschlag auf den Bahnhof in Seehausen. Ein vor dem Gebäude angestelltes Sofa ging in Flammen auf, das Feuer breitete sich aus, Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die schnell eingreifende Feuerwehr verhinderte Schlimmeres. Die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung sind laut PI noch nicht abgeschlossen.

Deutliche Spuren nach dem Brandanschlag gegen die A-14-Gegner und Waldbesetzer in Seehausen. Am Pfingstwochenende explodierte ein Böller im Bahnhofsgebäude. Ungekannte verwüsteten das Basislager der Aktivisten.
Deutliche Spuren nach dem Brandanschlag gegen die A-14-Gegner und Waldbesetzer in Seehausen. Am Pfingstwochenende explodierte ein Böller im Bahnhofsgebäude. Ungekannte verwüsteten das Basislager der Aktivisten.
Foto: Ralf Franke