Hamburg (dpa) - Es ist der Anfang vom Ende. Al Bano (74) und Romina Power (66) machen Schluss - mal wieder. Diesmal allerdings nicht mit ihrer Ehe, denn die Scheidung wurde bereits 1999 nach 29 gemeinsamen Jahren vollzogen. Sondern mit den Auftritten.

Schuld ist Al Bano, der sich künftig lieber dem Wein zuwenden möchte - im Nebenjob ist der Italo-Popstar Winzer. Am Sonntagabend gaben die beiden das erste Konzert ihrer Deutschlandtour in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg.

Was ursprünglich als Fortsetzung ihrer Comeback-Tournee von 2017 geplant war, soll nun also die finale gemeinsame Konzertreise der Showstars sein. Neben einer klassisch besetzten Band haben sie eine Violinistin und vier Backgroundsängerinnen dabei. Auf einer Leinwand hinter ihnen werden Bilder eingeblendet, die aussehen, als wären sie von einem Zufallsgenerator ausgewählt: Auf Flugzeuge folgen Marienkäfer, auf Soldaten ein romantischer Sonnenuntergang.

Gut sehen die beiden aus, als sie nacheinander die Bühne betreten: Al Bano trägt seinen hellen Hut zum blauen Glanzsakko, Romina Power einen schulterfreien Flatter-Anzug in Neongrün und flache Sandalen an den nackten Füßen. Und Power praktiziert ihn immer noch: Diesen Tanz in leicht nach vorne gebückter Haltung, mit dem sie in den 80ern zu verschleiern versuchen schien, dass sie um einige Zentimeter größer ist als ihr Gesangs- und damaliger Lebenspartner Al Bano.

Wenn die Zwei ihre großen Duette auspacken, ist das immer noch wie ein Italien-Urlaub für die Ohren. "Sempre Sempre", "Sharazan", "Magic oh Magic" und "Felicita" - ist das wirklich schon mehr als 30 Jahre her, dass sie damit internationale Erfolge feierten? Wegen seines Stimmapparats muss Al Bano jedenfalls nicht aufhören. Wie gut er noch klingt, zeigt sich besonders bei den klassischen Solo-Stücken, die wie Arien anmuten. Er gibt dabei den charmanten Italiener und macht seine Ansagen fast ausschließlich in seiner Muttersprache.

Die gebürtige Amerikanerin Power singt dagegen auch auf Englisch und äußert sich mit Kritik an ihrem Heimatland politisch. "Amerika ist kein friedliches Land mehr", moderiert sie den selbst geschriebenen Titel "Message" an. Wenig später singt sie "Power To The People". Dazu hält sie mit den Backgroundsängerinnen Protestplakate hoch: "Climate change is real", steht darauf geschrieben. Oder auch "Help save our seas!"

Bewegend wird es, als sie ein selbstverfasstes Gedicht auf Deutsch vorträgt. Subtil thematisiert sie in "Eine Mutter, ein Kind, die Zeit und ich" den Schmerz über das Verschwinden der gemeinsamen Tochter Ylenia Carrisi vor 24 Jahren, woran auch die Ehe mit Al Bano zerbrach. Unterschiedlicher könnten die Solo-Auftritte der beiden jedenfalls nicht sein. Während auf der Leinwand immer wieder Bilder aus glücklichen Tagen des Paares gezeigt werden, sprühen zwischen ihnen auf der Bühne keine Funken mehr. Die Romantik findet eher davor statt. Viele Fans kommen an den Bühnenrand, um Blumen zu überreichen und sich alte Schallplatten signieren zu lassen. So viel Zeit muss zum Abschied sein.