New York (dpa) - Der Versprecher ist symbolisch. "So viele haben unsere Vision unterstützt", wollte Dan Doctoroff eigentlich sagen, aber anstelle von "many", viele, entschlüpft ihm "money", Geld.

Das Publikum bei der Pressevorstellung des neuen New Yorker Kulturzentrums "The Shed", dessen Aufsichtsratsvorsitzender Doctoroff ist, lacht laut auf. Denn bei dem bescheiden als "Schuppen" betitelten Kulturzentrum spielt auf den ersten Blick das Geld die Hauptrolle. Angesiedelt in den Hudson Yards, dem größten und teuersten nicht-öffentlichen Bauprojekt in der Geschichte der USA, hat der architektonisch spektakuläre "The Shed", der am Freitag (5. April) eröffnet, schon mehr als 500 Millionen Dollar an Entwicklungs- und Baukosten verschlungen, hauptsächlich von reichen Spendern.

Wie ein "Flugzeughangar in Daunendecke" sehe das Gebäude aus, urteilte die "New York Times". "Noch nie hat New York eine Kultureinrichtung wie den "Shed" gesehen." Veranstaltungsräume auf insgesamt acht Stockwerken, eine ausfahrbare fast 40 Meter hohe Außenhülle, Platz für bis zu 3000 Zuschauer, modernste Bühnentechnik samt Glasfaser-Internet - der Bau soll "fast alles möglich machen, was Künstler sich vorstellen können", sagt Doctoroff. "Nur Muskeln und kein Fett", kommentiert die leitende Architektin Liz Diller ihr Werk.

Aber braucht eine Stadt wie New York, die schon rund 1200 kulturelle Einrichtungen hat, ein neues Kulturzentrum - und dazu noch eins in dieser Dimension? Für Ex-Bürgermeister Mike Bloomberg, der das Projekt maßgeblich mit angestoßen hat, keine Frage. "Es ist eine wundervolle Sache für die Stadt, für die Kunst, für Amerika und für die Welt."

Herausheben soll sich "The Shed" durch einen Fokus auf die Künstler, auf interdisziplinäre Werke und auf Auftragsarbeiten. Zur Eröffnung gibt es beispielsweise eine Ausstellung des deutschen Künstlers Gerhard Richter mit Musik der Komponisten Steve Reich und Arvo Pärt.

"Diese Idee, dass wir neue Arbeiten machen und über alle Kunstformen hinweg Aufträge erteilen, bringt Gleichwertigkeit - über Kunstformen und durch die Gesellschaft hinweg", sagt Alex Poots, der einst das Manchester International Festival gründete und den Doctoroff von einem anderen gefeierten New Yorker Kulturzentrum, der Park Avenue Armory, weglotste und zum Direktor des "Shed" machte.

Trotzdem sei nicht klar, warum New York das neue Zentrum brauche, urteilte die Website "ArtNet" und sprach von einem "Gefühl der Überflüssigkeit". Die "Washington Post" schrieb dagegen, "The Shed" sei der einzige Grund, das bei vielen New Yorkern verhasste neue Viertel Hudson Yards überhaupt zu besuchen. Und auch die "New York Times" zeigte sich optimistisch. "Was New York braucht, ist echtes bedeutendes Investment in künstlerische Entwicklung, über Jahre. "The Shed", wenn er sich in die richtige Richtung entwickelt, könnte da ein Motor sein."

Das glitzernde neue Hochhaus-Viertel Hudson Yards um den Kulturschuppen herum sei eine Art "überdimensionierter Vorort-Büropark mit Einkaufszentrum und bewachter Wohnsiedlung", gedacht für die Megareichen, "die 0,1 Prozent", hatte die "New York Times" kritisiert. ""The Shed" könnte das Gegenteil werden - wenn es erfolgreich die anderen 99,9 Prozent willkommen heißt."

The Shed