Berlin (dpa) - Der weiche Riese wird 50. Axel Schulz ist immer noch der stets freundliche, breit berlinernde Koloss mit der unvermeidlichen Baseball-Kappe.

Am Freitag feiert der ehemalige Schwergewichts-Boxer in seinem Haus in Frankfurt/Oder seinen runden Geburtstag im engsten Familienkreis. Auch beim 50. soll der Rahmen eher übersichtlich bleiben. "Seit meine Mutter vor Jahren an meinem Geburtstag verstarb, feiere ich diesen Tag nicht mehr groß", sagte Schulz, der aufkommende Wehmut aber schnell verscheucht.

"Ich bin mehr als zufrieden mit dem Leben, das ich heute führen darf. Ich habe alles richtig gemacht", zog der Vater von zwei Töchtern - die ältere besucht als großes Schwimmtalent das Potsdamer Sport-Gymnasium - eine kleine Bilanz. Dass er nie einen wichtigen internationalen Titel gewann und in drei WM-Kämpfen dreimal den Kürzeren zog, wurmt Schulz in der Nachbetrachtung angeblich überhaupt nicht.

Die Niederlage, die ihn berühmt machte, analysierte er 23 Jahre nach seinem Kampf gegen den Muhammad-Ali-Gegner George Foreman im MGM-Grand-Hotel von Las Vegas ganz kühl. "Natürlich war Georges Punktsieg ein Witz. Aber, wenn man mit so einer Legende im Ring steht, muss man seinen Gegner für einen Sieg eben umhauen. Das ist mir nicht gelungen - Punkt", sagte Schulz der Deutschen Presse-Agentur.

Das Foreman-Management hatte sich damals mit dem mutmaßlich ungefährlichen Herausforderer Schulz, der zusammen mit Henry Maske in einem Eisenbahnschuppen in Frankfurt/Oder trainierte, auf eine Verteidigung des IBF-Titels geeinigt. Die Box-Legende war beim Schulz-Kampf am 22. April 1995 bereits 46 Jahre alt. Der "Rumble in the Jungle" mit Ali, der Foreman 1974 in der achten Runde spektakulär k.o. geschlagen hatte, lag über 20 Jahre zurück.

Der nicht sehr schlagstarke Schulz überraschte den gealterten Platzhirsch Foreman im Titelkampf mit einem beherzten Kampf. Nach seinem mehr als schmeichelhaften Punktsieg in der Spielerstadt erschien der im Gesicht stark gezeichnete Foreman auf der Pressekonferenz mit einer dunklen Sonnenbrille. Die vom Verband angeordnete Revanche gegen Schulz lehnte Foreman ab und verlor seinen IBF-Titel.

Sein mutiger damaliger Gegner, der in Bad Saarow geborene Boxer (26 Siege, 5 Niederlagen), kämpfte vier Jahre später gegen Wladimir Klitschko um die Europameisterschaft. Schulz kassierte eine Niederlage durch technischen K.o. in der achten Runde. Er beendete seine Karriere nach einem missglückten Comeback 2006.

Beruflich hat der Ex-Schwergewichtler als TV-Box-Experte bei Sport1 und als der Mann hinter offensichtlichen gefragten "Produkten aus dem Grillbereich" längst Fuß gefasst. Er ist gern gebuchter TV-Gast in Talk- und Quiz-Shows.

Das Image des bodenständigen Sympathieträgers, der auch im Schatten des einst groß inszenierten Gentleman-Boxers Maske genügend öffentliche Aufmerksamkeit genoss, hält schon jahrzehntelang. Er besitzt mit knapp 18 Millionen RTL-Zuschauern im Schnitt beim Skandalkampf gegen den danach des Dopings überführten Südafrikaner Francis Botha immer noch den den deutschen Box-TV-Rekord.

Ihn befalle ein "komisches Gefühl", wenn er an die Zahl 50 denkt, sagte er Tage vor seinem Ehrentag. Obwohl sich Schulz morgens nach dem Aufstehen "manchmal wie 70" fühlt, ist er abgesehen von Knieproblemen fit. "Im Keller meines Hauses hängt ein Sandsack und manchmal stemme ich noch ein paar Gewichte", berichtete der Jubilar.

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