Allensbach (dpa) - Gaby Hauptmann ist eine Frau, die sich kümmert. Wenn Besuch kommt - und an diesem Tag kommt viel Besuch - eilt die Schriftstellerin zur Kaffeemaschine. Cappuccino? Espresso? Milchkaffee?, ruft sie aus der Küche.

Auf dem großen Tisch in ihrem Büro in Allensbach (Baden-Württemberg) stapeln sich Dosen mit Plätzchen, das Fenster bietet einen traumhaften Blick über den Bodensee. Der erste Gast ist ein Freund aus der Schweiz. Pakete will er abholen, aber davor muss Zeit sein für eine Tasse Kaffee. Kaum sitzen die beiden, klingelt es erneut an der Tür. Eine Freundin von nebenan schaut vorbei, am Nachmittag wollen sie gemeinsam nach Zürich fahren. Immer was los, sagt Hauptmann. Eine Stunde später stehen schon vier Freunde in der Küche.

Die Bestseller-Autorin - mehr als 10 Millionen verkaufte Bücher, ihre Werke erscheinen in 38 Ländern - gibt sich gerne unkompliziert, charmant und nahbar. So wie sie auch ihre Romanfiguren konzipiert: Hauptmanns Charaktere haben Alltagsprobleme und Beziehungskrisen und trotzdem sind es selbstbewusste und souveräne Frauen, die auf Machos, Softies und richtige Traumtypen treffen. Geschichten, mit denen man aus der Realität fliehen kann, sagt die Schriftstellerin.

Hat dieses Flucht-Bedürfnis - angesichts von Terror und Gewalt in der Welt - zugenommen? Nein, sagt die 58-Jährige. Ich glaube, es war schon immer so, dass die Menschen ihre Alltagsprobleme hatten und auch den Wunsch, daraus abzutauchen. Die kleine Welt, in der jeder einzelne Mensch lebe, könne ja durchaus anstrengend sein: Mit dem Beruf, mit dem Haushalt, mit Ehen, die nicht funktionieren, und Beziehungen, die schwierig sind, sagt Hauptmann. Und wenn man Nachrichten anguckt, wird man sowieso bekloppt.

Manchmal kämen die Ideen aber schneller als sie schreiben könne, sagt Hauptmann. Der Durchbruch gelang ihr 1997 mit dem Buch Suche impotenten Mann fürs Leben. Der Inhalt: Eine von sexbesessenen Männern genervte Frau sucht per Annonce einen impotenten Partner. Kein Bewerber erfüllt ihre Erwartungen - bis sie schließlich ihren Traummann kennenlernt und das mit der Impotenz dann doch nicht mehr toll findet.

Die Idee dazu sei ihr am Bodenseeufer gekommen, erzählt Hauptmann auf ihrer Homepage. Sie habe mehrere Magazine gelesen, die alle über Impotenz schrieben. Zeitgleich habe sie eine kleine Ente beobachtet, die von Erpeln gejagt wurde. Dabei sei ihr aufgefallen, dass sie im übertragenen Sinne auch schon oft genug die gejagte Ente war, wenn sie mich auch nicht gekriegt hatten. Und plötzlich war die Idee da, der Titel und ich ging an meinen Computer, um ein Exposé zu schreiben, das ich am selben Tag auch noch an einen Verlag verschickte.

Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands - und für viele Leser Frauenversteherin, Männerkennerin und Beziehungsratgeberin in einem. Frauen schreiben mich an, wenn sie Probleme haben oder mir ihre Lebensgeschichte erzählen wollen, sagt Hauptmann. Die einzige literarische Überlebende des ersten Frauenbuch-Booms in Deutschland, nennt sie die Tageszeitung Welt. Wie lebt es sich mit diesem Titel? Hm, sagt Hauptmann und lacht.

30 Bücher hat die 58-Jährige in 20 Jahren geschrieben - im Schnitt 1,5 pro Jahr. Momentan sitzt sie wieder an einer neuen Geschichte. Ich bin im Moment bei einer Szene kurz vor dem Ende, es geht um eine Testamentseröffnung, sagt Hauptmann. Und ich weiß noch nicht, welchen Knaller ich da lande.

Das sei das Tolle am Romanschreiben: Ich kann entscheiden: Kriegt Chris den ersten Kuss von seiner Geliebten oder nicht? Geht Kaya vielleicht fremd oder nicht? Das ist schon so ein bisschen ein Lieber-Gott-Spielen, denn man schafft ja ein Universum und völlig neue Leben.

Website Gaby Hauptmann