Berlin (dpa) - Dramatische Ereignisse erschüttern die Stadt Köln und drohen, einen Religionskrieg auszulösen. Alles beginnt im Roman "Mein ist die Macht" des Kölner Schriftstellers Leon Sachs mit einem Bombenanschlag.

Ein Rechtsradikaler will sich an die Spitze seiner Bewegung setzen, indem er eine Bombe in einer Moschee zündet. Der Plan gelingt zumindest so weit, dass die Moschee zerstört wird. Aber dann gehen die Dinge ganz anders weiter, als der Attentäter gedacht hatte.

Einige Wochen später treffen sich Vertreter der großen Weltreligionen in Köln, denn als Friedenszeichen soll in einer großen Zeremonie ein Rat der Religionen gegründet werden. Mit dabei ist auch der französische Rabbiner Fabrice Mannarino. Mit ihm beginnt eine spannende, vielschichtige Handlung, in deren Verlauf die Zukunft der westlichen Welt in Gefahr gerät.

Stargast des Treffens im Grand Hotel auf dem Petersberg nahe Köln ist niemand anderes als die Tochter des amerikanischen Präsidenten. Ausgerechnet Mannarino gerät in Verdacht, ein Attentat auf sie geplant zu haben. In letzter Sekunde wird er von Sicherheitskräften überwältigt. Um seine Unschuld zu beweisen, braucht er die Hilfe seiner Nichte Natalie und ihres Verlobten Alex. Damit hat Sachs wieder die Hauptfiguren aus seinem Thriller "Falsche Haut" aus dem Jahr 2016 ins Spiel gebracht.

Die Einzige, die außer seinen Verwandten noch zu Mannarino zu halten scheint, ist eine Lobbyistin, die sich aber wiederholt selbst verdächtig macht, weil sie über geheime Informationen und mysteriöse Verbindungen verfügt. Auch die anderen Personen, mit denen es Natalie und Alex zu tun bekommen, wie der Polizeichef oder der Leibwächter der Präsidententochter, verhalten sich äußerst merkwürdig.

Und tatsächlich gehen die dramatischen Ereignisse in Köln und Umgebung weiter. Bei einem Bombenanschlag kommen zahlreiche Menschen ums Leben. Sachs baut wiederholt Szenen ein, die Hinweise auf die Hintermänner der Verschwörung und ihre Motive geben, aber es sind immer nur kleine Puzzlestücke, die längst noch kein zusammenhängendes Bild ergeben.

Lange Zeit wissen Natalie und Alex nicht, mit welchem Gegner sie es zu tun haben. Erst als es dem Geschichtsprofessor Alex gelingt, in der Art von Dan Browns Robert Langdon Symbole in Fotos und Gebäuden zu entschlüsseln und zueinander in Verbindung zu setzen, kommt er der Wahrheit über die Verschwörung auf die Spur.

Die Wahrheit wird in "Mein ist die Macht" noch in einer anderen Hinsicht thematisiert. Eine undurchsichtige Rolle spielt Markus Nossak, ein Medienunternehmer, der mit seinen Erzeugnissen die Menschen politisch beeinflussen will. Seine Überzeugung passt perfekt in die aktuelle Debatte um Fake News: "Mit Geschichten konnte man Menschen manipulieren. Da spielte es keine Rolle, ob diese Geschichten der Wahrheit entsprechen. Wahrheit, das armselige Konstrukt für Rückwärtsgewandte und Zukunftsverweigerer."

Auch wenn die Leser häufig etwas mehr wissen als die Hauptfiguren, so bleiben die tatsächlichen Zusammenhänge und Hintergründe bis ganz zum Schluss im Dunkeln. Durch die abwechslungsreiche Handlung, in die immer neue Wendungen eingebaut werden, wird "Mein ist die Macht" zu einem erstklassigen Thriller, der zudem mit religiösem Extremismus und bewusst gestreuten Falschinformationen hochaktuelle Themen aufgreift.

- Leon Sachs: Mein ist die Macht. Emons Verlag, Köln, 318 Seiten, 14,95 Euro, ISBN 978-3-7408-0433-6.