Hamburg (dpa) - Sie waren jung, hübsch und voller Lebenslust, die Pretty Girls aus Karin Slaughters gleichnamigen Thriller, der jetzt fast zeitgleich mit ihrem Buch Cop Town in Deutschland erschienen ist.

Doch während letzterer Roman aus der Sicht von Polizisten geschrieben wurde, gibt Pretty Girls eine nervenaufreibende Geschichte aus der Opfer-Perspektive wieder. Und Opfer sind die drei Töchter der einst glücklichen Familie Caroll. Ihre heile Welt wird jäh zerstört, als Julia, die Älteste, eines Tages spurlos verschwindet. Die Familie zerbricht am Kummer.

Seitdem sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen. Während Lydia, die mittlere Tochter, sich nach einem zwischenzeitlichen Absturz in die Drogenszene von ihrer Familie entfremdet hat, scheint es der verheirateten Claire gut zu gehen. Sie ist reich, verwöhnt und wird von ihrem Mann geliebt. Doch diese Idylle ist trügerisch und das Glück fragil. Paul, Claires Mann, wird in ihrem Beisein bestialisch ermordet und Claire in ein tiefes Loch gezogen.

Wie abgründig es tatsächlich ist, zeigt sich, als die junge Frau in Pauls Nachlass sogenannte Snuff Movies findet - Filme, in denen Mädchen vor laufender Kamera vergewaltigt und grausam ermordet werden. Dieser Tiefpunkt hat insofern auch einen positiven Effekt, als dass Claire und Lydia wieder zusammenfinden und gemeinsam versuchen, die Hintergründe für Pauls scheinbares Doppelleben herauszufinden.

Bis dahin muss sich der Leser durch einen nicht immer leicht überschaubaren Plot arbeiten, zu dem auch die Tagebücher des Vaters der Mädchen gehören. Er hatte nie aufgehört, nach Julia zu suchen - sein Freitod ein Indiz der Erfolglosigkeit. Die Aufzeichnungen des Vaters bilden den Rahmen für einen äußerst spannenden Roman der 44-jährigen US-Autorin.

Typisch für Slaughter ist die Stärke der Frauen, die sich meist erst in nahezu aussichtslosen Situationen zeigt, wie auch hier. Typisch sind auch ihre psychologischen Studien sowie nervenaufreibende Szenen, denen es weder an Brutalität noch an detaillierter Gewaltdarstellung fehlt. Es gibt nichts, was sich ein Autor ausdenken könnte, das nicht bereits im echten Leben passiert ist - normalerweise nur noch entsetzlicher, sagte die Autorin der Deutschen Presse-Agentur.

So gesehen, sind die Pretty Girls auch nicht einfach blutiger Thrill, sondern Abbild einer Seite des Lebens, die Slaughter - im Gegensatz zu anderen Krimi-Autor(inn)en - heranzoomt und sie in ihrer Schrecklichkeit darstellt. Wer Slaughter liebt - und das sind Millionen Leser weltweit - wird sich davon nicht abschrecken lassen und zu ihren Thrillern greifen. Selbst, wenn man wie im zu Ende gehenden Jahr zwei Bücher erwerben muss.

Die Parallel-Veröffentlichung von Cop Town und Pretty Girls kommt durch einen Verlagswechsel der Autorin zustande. Sicher ist, dass sie weiter spannende Geschichten produzieren wird - natürlich auch um ihren längst bekannten Ermittler Will Trent. Denn das ist das, was mir wirklich Spaß macht, beschreibt sie ihre Motivation.

- Karin Slaughter: Pretty Girls. Harper Collins Verlag, Hamburg,
500 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-95967-007-4.

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