Düsseldorf (dpa) - Die Vergangenheit lässt Dorothee Achenbach (55), Ex-Frau des einstigen Kunstberaters Helge Achenbach, nicht los. Verrat, Betrug und Enttäuschung haben Spuren in ihrem Leben hinterlassen - und es sind auch die großen Themen, die die Kunsthistorikerin in ihrem Debütroman umtreiben.

Am Donnerstag legte Achenbach ihr erstes fiktives Werk vor. "Im Schatten des Mondsterns" heißt der Roman, der Orient und Okzident verbindet.

Mit der berührenden Geschichte einer türkischen Gastarbeiterfamilie nimmt sich Achenbach ein überraschend ernstes und politisches Thema vor. Zuvor hatte sie in zwei Bestsellern ironisch-süffisant und autobiografisch ihren Absturz aus dem Kunst-Jetset verarbeitet, nachdem ihr Ex wegen Millionen-Betrugs verurteilt worden war.

Achenbach breitet einerseits Schicksale von Gastarbeitern seit den 1960er Jahren aus, die sogar ihre türkische Lektorin zu Tränen gerührt hätten. Das Familiendrama verwebt sie ziemlich mutig mit der Liebesgeschichte zwischen dem Türken Bekir und der rheinischen Witwe Greta, die nach dem Tod ihres Mannes vor den Trümmern ihrer vermeintlich glücklichen Ehe steht. Bei diesem Thema bleibt sich Achenbach wieder ganz treu und nimmt im humorigen Plauderton die rheinische Society aufs Korn.

Im Roman gehen der Hauptfigur Greta erst die Augen auf, als ihr Mann Georg "in einem Kölner Puff" an einem geplatzten Aneurysma stirbt. Das ist natürlich alles Fiktion. Aber die ein oder andere ironische Anspielung auf Achenbachs früheres Leben lässt sich finden. "Man kann nichts schreiben, was nicht in irgendeiner Form mit Menschen, Begegnungen und Gefühlen zu tun hat, die man selbst erlebt hat", sagt sie. "Das kann auch kein Maler." Sie habe bei Greta auch aus ihrer eigenen Erfahrung geschöpft, verrät Achenbach. "Diese Verletzung einer Frau, die eigentlich eine gute Ehe führte und plötzlich merkte, es war nicht alles so, wie es schien."

Ihr Debütroman ist aber vor allem eines: eine mitreißende Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite. Sie schwankt zwischen Tragik und Ironie. Es werden auch mal Dior- und Prada-Taschen geschwungen. Zugleich wird die seelische Versehrtheit der Türken offenbart, die aus bitterer Armut in ein fremdes Land kamen, das ihnen nicht nur Wohlstand, sondern oft auch Heimatlosigkeit und Verzweiflung brachte. Für ihre ersten Bücher habe sie nur in ihr Tagebuch schauen müssen, sagt Achenbach. "Das hier aber war auch eine wissenschaftliche Arbeit."

Mit ihrem Roman löst sich Achenbach aus dem Schatten ihres Ex-Mannes Helge Achenbach. Der Kunstberater hatte den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht bei Kunst- und Oldtimerverkäufen um Millionen betrogen und musste dafür ins Gefängnis. Seit seiner vorzeitigen Entlassung betreibt er einen Kunst- und Kulturhof bei Düsseldorf und malt Bilder.

Dorothee Achenbach hat sich - Ironie des Schicksals - nach der Trennung mit einer eigenen Kunstberatung einen Namen gemacht. Sie geht wie früher auf Messen, schreibt Fachtexte über Kunst, engagiert sich seit Jahren in der Aidshilfe und ist ein gefragter Gast auf Kunstevents. "Ich bin ein Stehaufmännchen", sagt sie.

Nun hat sie sich einen Traum erfüllt. Sie habe schon seit ihrer Jugend Schriftstellerin werden wollen. "Mit 14 Jahren habe ich angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Der hieß "Die Jahre in New Mexico"." Am liebsten würde sie in einem Häuschen auf dem Land sitzen und schreiben. "Die Unbill, das mir in meinem Leben die letzten Jahre widerfahren ist, war eigentlich dafür da, dass ich zum Schreiben kam."

Im Schatten des Mondsterns