Mainz (dpa) - Der Mainzer Stadtschreiber 2020 heißt Eugen Ruge.

Die Stadt Mainz sowie die Fernsehsender ZDF und 3sat würdigten den Romanautor und Regisseur am Freitag als "Meister im Schildern von Familienbeziehungen und Lebensentwürfen, geschrieben in einer klaren Sprache mit souveränem Gespür für Dialoge, Tempo und Pointe". Der Preis besteht zu einem Teil aus der Nutzung der Stadtschreiberwohnung im Schatten des Mainzer Doms, zum anderen Teil aus einem Preisgeld von 12.500 Euro. Die Auszeichnung soll voraussichtlich im März kommenden Jahres überreicht werden.

Der 65-jährige Schriftsteller fand 2011 große Beachtung mit seinem Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts", für den er den Deutschen Buchpreis erhielt. Der Bestseller wurde 2017 verfilmt, mit Bruno Ganz in seiner letzten Rolle. In diesem Jahr legte Ruge den Roman "Metropol" vor, in dem er wieder die Geschichte seiner Familie verarbeitet. Ruge wurde in der früheren Sowjetunion, im Ural, geboren und wuchs in der DDR auf.

"Bei Eugen Ruge wird aus Biografie große Literatur", heißt es in der Würdigung der Stadtschreiber-Jury. "Mit Empathie für seine oft widersprüchlichen Figuren, die der Zeitgeschichte ausgesetzt sind, erzählt Ruge von Loyalität und Verrat in Zeiten der Diktatur." Ruge, der in Berlin und auf Rügen lebt, tritt als Stadtschreiber die Nachfolge der in Wien geborenen Autorin Eva Menasse an.