Berlin (dpa) - Wer hat im Leben schon alles richtig gemacht? Thomas und Daniel, die Protagonisten aus Gregor Sanders neuem Roman, eher nicht - oder doch? "Alles richtig gemacht" erzählt von einer Freundschaft, die in der Schule beginnt und bis in die Lebensmitte reicht. 

Als Panorama dient Sander der DDR-Alltag in Rostock, der Mauerfall, die frühen 90er, das boomende Berlin der Nuller Jahre und das hippe, internationale von heute. Das ist kurzweilig, witzig und realistisch. Und ein altes Geheimnis gibt es auch.

Nach zehn Jahren Funkstille sitzt Daniel plötzlich auf der Rückbank in Thomas Wagen, als der gerade von einem Geschäftsessen aufbrechen will, eher betrunken als nüchtern. Thomas Frau ist seit einer Woche weg, die Zwillingstöchter auch, irgendwas im Leben des Berliner Rechtsanwalts ist ziemlich schief gelaufen, und jetzt grinst ihn auch noch sein Jugendfreund im Rückspiegel an. Aber eigentlich auch ganz schön. Oder?

Mit dieser Ausgangslage startet Sander, der aus Schwerin stammt, seinen Roman. Die Geschichte ist aus der Perspektive von Thomas erzählt, Sohn eines Drogisten aus Rostock. Schon zu Schulzeiten ist er fasziniert vom draufgängerischen Daniel, der auch Jahrzehnte später noch zu den wichtigsten Menschen in seinem Leben zählt. Zwischen der Gegenwart und einem langen Rückblick wechselnd erzählt Sander die lange Geschichte der ungleichen Freunde, von ihrer Herkunft, ihren Frauen, ihren Träumen, ihrem Scheitern.

Die Zeitgeschichte läuft dabei dezent im Hintergrund: Mauerfall, Rostock-Lichtenhagen, Jan Ulrich, Ground Zero, G8-Gipfel in Heiligendamm, Araberclans in Berlin. Davor entwirft Sander ein detailreiches Panorama.

Szenisch ist das teilweise so stark, dass man selbst meint, in der viel zu kalten ersten Wohnung der beiden in Rostock zu stehen, bei einem brutalen Neonazi-Angriff auf Daniel dabei zu sein oder später im Berlin der frühen 90er. Aus der überfüllten und verrauchten Makrelenbar - einem früheren Uhrengeschäft - machen die Freunde eine illegale Kneipe. Der lustlos kontrollierenden Polizei erzählen sie, jeden Donnerstag feiere eben ein Freund Geburtstag.

Die 90er in Berlin seien ein bisschen so gewesen, als wäre man ein Teenager, die Eltern seien fort und man habe Zugang zum Weinkeller, sagte Sander in einem Interview des Senders Deutschlandfunk Kultur. Er sei kein großer Tagebuchschreiber, vieles aus dieser Zeit sei ihm aber noch sehr präsent.

Die Geschichte bleibt spannend, weil bis zuletzt offen bleibt, was zwischen Thomas und seiner Frau vorgefallen ist, warum Daniel, der mal in Irland lebte, mal in Frankreich, eigentlich zurück ist und welcher moralisch nicht einwandfreie Coup die beiden Freunde für immer aneinander bindet. Dieses Geheimnis wirft, passend zum Titel, durchaus die Frage auf, ob sie alles richtig gemacht haben.

Das Erzähltempo ist durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit und vielen Zeitsprüngen flott, den Überblick verliert der Leser aber nie. Man kann sich "Alles richtig gemacht" gut als Film vorstellen.

Ende November jedenfalls kommt bereits ein Roman Sanders aus dem Jahr 2014 ins Kino. Christiane Paul und Ronald Zehrfeld fahren gemeinsam nach Budapest, wo Paul auf ihre DDR-Jugendliebe trifft. Für "Was gewesen wäre" hat Sander auch das Drehbuch geschrieben.

Der 1968 geborene Autor lebt in Berlin, sein Debüt "Abwesend" (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zu seinem Werk zählen drei Romane, zwei Erzählbände und das "Tagebuch eines Jahres", in dem er aus seinem Leben als Schriftsteller im Jahr 2013 erzählt.

Gregor Sander: Alles richtig gemacht, Penguin, 240 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-328-60667-3

"Alles richtig gemacht" bei Penguin

Sander im DLF Kultur über sein Buch