New York (dpa) - James Patterson ist Einzelgänger, ein Außenseiter in seiner Branche. In einem Raum voller Schriftsteller, Lektoren und Literaturkritiker fühle er sich unwohl, sagte der Autor jüngst bei der Verleihung der renommierten National Book Awards in New York.

Ich bin der Elefant im Raum, der Big Mac in diesem edlen Restaurant hier. Kurz zuvor hatte Patterson einen Preis für sein Lebenswerk und sein Engagement für Bibliotheken bekommen. Es war einer der seltenen öffentlichen Auftritte des 68-Jährigen, der sich in Anzug, roter Krawatte und Lesebrille zittrig am Podium bedankte, während seine Frau Susan und sein Sohn Jack im Publikum applaudierten.

Pattersons Name ist wohl längst nicht so bekannt wie etwa der von Philip Roth, Stephen King, Dan Brown, John Grisham oder Paul Auster - aber in einer nicht ganz unwichtigen Kategorie toppt Patterson alle seine Kollegen: Buchverkäufe. Dutzende Werke hat der Autor bereits verfasst, vor allem Krimis und Thriller, für Erwachsene und Kinder. Mehr als 300 Millionen Mal haben sie sich weltweit verkauft, zahlreiche wurden verfilmt. In Deutschland sind viele seiner Werke im Random House-Verlag erschienen.

Die US-amerikanische National Book Foundation nennt Patterson den am besten verkaufenden Autor der Welt, im Guinness Buch der Rekorde steht er als Schriftsteller mit den meisten Werken auf der Bestsellerliste der New York Times. In US-Buchläden findet sich oft sogar ein eigenes Patterson-Regal nur mit Büchern des Autors.

Viele Kritiker kategorisieren Pattersons Werke abschätzig als Trivialliteratur, und nur wenige Preise sind dem Autor verliehen worden - aber seine Bücher machten ihn reich. Auf 89 Millionen Dollar (etwa 84 Millionen Euro) schätzt das Forbes-Magazin alleine seine Einkünfte in diesem Jahr. Damit steht er in der Liste der bestverdienenden Stars 2015 noch vor Schauspieler Robert Downey Jr. und Sängerin Taylor Swift. Andere Schriftsteller kommen in der Liste überhaupt nicht vor, Patterson spielt in seiner eigenen Liga.

Dabei stammt der Autor, der heute mit seiner Familie im schicken Palm Beach in Florida lebt, aus ärmlichen Verhältnissen in der Kleinstadt Newburgh nördlich der Millionenmetropole New York. Von dort zu den renommierten National Book Awards sei es ein weiter Weg gewesen, gibt Patterson bei seiner Dankesrede zu. Newburgh war ein hartes Pflaster, mein Vater wuchs in einem Armenhaus auf, meine Großmutter putzte Toiletten und Küchen. Aber Patterson macht sich gut in der Schule und studiert schließlich englische Literatur.

Danach nimmt er einen Job in einer Werbeagentur an. Das war nur, weil ich als Taxifahrer nicht genommen wurde. Ich hatte lange Haare und alle dachten, ich wäre Kommunist. Nebenbei beginnt Patterson Krimis zu schreiben, aber sein erstes Buch wird von 31 Verlagen abgelehnt. Ich habe immer noch eine Liste von all den Verlagen, die mein Buch nicht wollten. Als es irgendwann doch veröffentlicht wird, gewinnt es den Edgar Allen Poe-Preis für das beste Erstlingswerk.

Inzwischen hat Patterson sein Schreiben zu einer erfolgreichen Krimi-Fabrik perfektioniert. Er veröffentlicht oft mehrere Bücher pro Jahr, alle mit der Hilfe mehrerer Co-Autoren, die seine Entwürfe fertigschreiben. Aber auch nach so vielen Büchern mache ihm die Arbeit immer noch Spaß, sagte Patterson bei den National Book Awards. Mein Großvater fuhr einen Lieferwagen mit gefrorenen Lebensmitteln. Einmal die Woche durfte ich mitkommen und dann hat er immer zu mir gesagt: "Egal ob du Lieferwagenfahrer oder der Präsident der USA bist, morgens, wenn du über den Hügel zur Arbeit gehst, musst du singen - und das mache ich.

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