Berlin (dpa) - Sie schreiben Romane? Sie wollen ganz groß rauskommen? Dann ran an die Tasten! Nur weil der Nobelpreis in diesem Jahr ausfällt, kann man ja trotzdem renommierte Preise gewinnen. Vom Nobelpreis abgesehen sind dies einige der wichtigsten.

Französische Literatur: Prix Goncourt

Im ersten Stock des "Drouant", eines schicken Pariser Restaurants zwischen Oper und Louvre, schlägt das literarische Herz Frankreichs. Im mondänen Salon mit Goldleder-Sesseln, Kronleuchter und Holzvertäfelung tagt einmal im Monat eine Jury aus zehn Schriftstellern. Über Entenbrust und Eclairs debattieren die zehn so lange, bis der beste Roman des Jahres gefunden ist, der Preisträger des Prix Goncourt.

Im Nebenzimmer berät sich übrigens die Jury des konkurrierenden Prix Renaudot. Die Preisträger werden exakt am selben Tag verkündet: Erst tritt der Jurychef des Prix Goncourt ans Mikrofon, dann der Verkünder des Prix Renaudot. Damit es keine Überschneidungen gibt, werden zwei Romane ausgewählt.

Der oder die Geehrte des Prix Goncourt muss sich dann am Fenster zeigen. Nur weißen Rauch gibt es (noch?) nicht. Zu den Geehrten gehören Marcel Proust und Simone de Beauvoir, Marguerite Duras und Michel Houellebecq. Benannt wurde der seit 1903 verliehene Preis nach den Schriftsteller-Brüdern Edmont und Jules de Goncourt. Das Preisgeld ist ein sehr symbolisches: zehn Euro.

Italienische Literatur: Premio Strega

Wenn man Helena Janeczek so auf den Gewinnerfotos sieht, würde man nicht erwarten, dass sie gerade einen Literaturpreis bekommen hat. In ihren Händen hält die Geehrte von 2018 eine schuhkartongroße Schachtel, darin ein Umschlag - und eine Flasche Kräuterlikör. So ist das eben, wenn der wichtigste Literaturpreis des Landes von einem Spirituosen-Fabrikanten ins Leben gerufen wurde.

Wer den Premio Strega gewinnen will, muss es mit dem Roman bis zur großen Endabstimmung schaffen. Dort werden dann unglaubliche 660 Stimmen vergeben, online und mit Stimmkärtchen. Den Löwenanteil leistet die 400 Köpfe starke Hauptjury, vor allem aus Literaturkritikern, wegen des Verleihungstages "Freunde des Sonntags" genannt. Außerdem geben Übersetzer, Studenten, Intellektuelle und von Buchhandlungen ausgewählte Vielleser ihre Stimme ab. Die Ergebnisse werden ganz profan mit Kreide an eine Tafel geschrieben.

Klar, dass bei so viel Aufwand nicht mehr viel Geld für die Preisträger übrig bleibt. Mit 5000 Euro Preisgeld - und einer Flasche Likör - ist der Premio Strega zwar hochprozentig, aber nicht besonders hoch dotiert. Umberto Eco und Primo Levi sind übrigens die bekanntesten Preisträger.

Deutsche Literatur: Georg-Büchner-Preis

Der französische Preis wird in Paris verliehen, der italienische in Rom - und der deutsche? Auch bei Literaturpreisen ist Deutschland ein ziemlich föderales Land. Statt in der Hauptstadt wird der Georg-Büchner-Preis im Staatstheater Darmstadt vergeben, in einer ziemlich nüchternen Zeremonie. Auch über die Jurysitzungen ist wenig bekannt, die Literatur soll eben im Vordergrund stehen.

Umso illustrer ist die Liste der Geehrten: Günter Grass, Elfriede Jelinek, Max Frisch, Ingeborg Bachmann, Erich Kästner, Gottfried Benn, Friedrich Dürrenmatt - die Prominenten sind so zahlreich, dass man sie hier nur ansatzweise aufzählen kann. Der Georg-Büchner-Preis, ohne Zweifel der renommierteste in Deutschland, wurde erstmals 1923 vergeben, seit 1951 als reiner Literaturpreis. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.