Berlin (dpa) - Für ihre Epoche - die Wilhelminische Zeit - war Franziska von Reventlow (1871-1918) ein wandelnder Skandal.

Die norddeutsche Gräfin verweigerte nicht nur die Privilegien ihres Standes, sie brach bewusst alle Regeln, brannte als junges Mädchen durch, heiratete, ließ sich wieder scheiden, wurde bestauntes Mitglied der Schwabinger Bohème. Sie schrieb geistreiche Romane und lebte ihre zahlreichen Liebesbeziehungen nach Lust und Laune aus. Nur ihr banaler Tod infolge eines Fahrradsturzes mit kaum 47 Jahren vor genau 100 Jahren passt nicht in dieses schillernde Dasein, dem Kerstin Decker nun eine würdige Biografie gewidmet hat.

Dem romanhaften Leben der Gräfin angepasst ist der Stil des Buches, das sich selbst wie ein Roman liest, immer sehr nah an der Perspektive der Protagonistin. Auch in der Sprache nähert sich Decker dem Stil der Zeit an, so dass die Erzählung und die Zitate oft verschwimmen.

Reventlow war eine radikal moderne Frau, das macht ihre Biografie bis heute so spannend und lesenswert.

- Kerstin Decker: Franziska zu Reventlow. Berlin Verlag, Berlin, 384 Seiten, 26,00 Euro, ISBN 978-3-8270-1362-0.