München (dpa) - Erinnert sich noch jemand an Zigarre rauchende ältere Herren à la Ludwig Erhard? Oder an genussvolle Pfeifenpaffer wie Herbert Wehner? Eben, beides scheint heute hoffnungslos "antiquiert, sogar auf skurrile Weise gestrig".

Seit Rauchen unter Bann gestellt wurde, müssen sich auch unverbesserliche berühmte Qualmer wie der Schriftsteller Michel Houellebecq in unwirtliche Ecken verdrücken.

In seinem Buch "Gerade gestern" erzählt der frühere Redakteur der "Neuen Zürcher Zeitung" Martin Meyer noch von zahlreichen anderen Dingen, die aus unserem Alltag verschwunden sind. Zum Beispiel träge vor sich hin plätschernde Sonntage mit Kirchgang und ausufernden Familienessen, Straßen aus Pflastersteinen, die den Autofahrer durchrüttelten, oder die verblichene Sitte der Poesiealben, in denen Omas, Tanten und Mitschüler erbauliche Sprüche für die Ewigkeit hinterließen. Barbie-Puppen haben zwar überlebt, doch längst ihre blonde Unschuld verloren. Ein nostalgisch-amüsanter Rückblick auf eine noch gar nicht so ferne Vergangenheit.

Martin Meyer: Gerade gestern. Vom allmählichen Verschwinden des Gewohnten. Hanser Verlag, München, 320 Seiten, 23,00 Euro, ISBN 978-3-446-25843-3.