Darmstadt (dpa) - Nein, er war nicht der weise, sympathische alte Mann, als den ihn das ausgehende Mittelalter oder die frühe Neuzeit gerne dargestellte.

Bekannt ist das Bildnis Albrecht Dürers mit Hieronymus in der Studierstube, im Vordergrund der zahme Löwe. Die Geschichte, er habe als asketischer Einsiedler in der Wüste diesem Löwen einen Dorn aus der Pfote gezogen, gehört ins Reich der späteren Legendenbildung.

Hieronymus (um 348/349 bis 420), Heiliger und Kirchenvater, war ein streitbarer Gelehrter der Spätantike bis hin zur dogmatischen Sturheit, würde man heute sagen. Er hatte seinen Anteil an der Etablierung des Christentums im späten Römischen Reich, in "einer von religiösen Dogmen durchdrungenen Gesellschaft", schreibt der Saarbrücker Religionswissenschaftler Heinrich Schlange-Schöningen in seiner "historischen Biografie" des Hieronymus. Nachhaltig war aber vor allem dessen Übersetzung der Bibel aus dem Griechischen beziehungsweise Hebräischen ins Lateinische.

Diese Bibelübersetzung war für die Katholische Kirche quasi 1000 Jahre Richtschnur, bis ein weiterer Theologe mit einem überragenden Sprachvermögen dem Alten und Neuen Testament des Hieronymus eine Übersetzung ins Deutsche entgegen stellte: Martin Luther.

Die Biografie Hieronymus ist sehr kenntnis- und detailreich. Sie setzt aber einiges Wissen über die Spätantike voraus.

- Heinrich Schlange-Schöningen: Hieronymus, eine historische Biografie, wbg Philipp von Zabern, Darmstadt, 320 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-8053-5149-2.