München (dpa) - Mit dem Älterwerden ist das so eine Sache. Die meisten Menschen neigen in fortgeschrittenen Jahren zu verklärten und wehmütigen Rückblicken. Personen des öffentlichen Lebens publizieren dann gerne ihre Erinnerungen, in der sie von der guten alten Zeit und ihren eigenen Heldentaten erzählen.

Auch Michael Jürgs (Jahrgang 1945), ehemaliger "Stern"- und "Tempo"-Chefredakteur, konnte der Versuchung nicht widerstehen. Sein Buch "Gestern waren wir doch noch jung" ist irgendetwas zwischen Memoiren und vergleichender Gesellschaftsanalyse.

Biografisches aus wildbewegter Jugendzeit - APO und Rockmusik -, glamouröse und weniger glamouröse Reportergeschichten - von Romy Schneider bis zu den gefälschten Hitler-Tagebüchern - mischen sich mit Kapiteln, in denen allgemein über die Einsamkeit vernetzt lebender Großstadtsingles sinniert wird oder den Kampf der alten gegen die neuen Medien. Und am Ende nähert er sich auch noch dem Tod "in Sichtweite".

Ein Buch, das den großen Rundumschlag will und dabei scheitert.

- Michael Jürgs: Gestern waren wir doch noch jung. Eine Liebeserklärung an aufregende Zeiten, C. Bertelsmann Verlag, München, 352 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-570-10296-1.