Berlin (dpa) - Bevor der Architekt Andreas Schlüter das Berliner Stadtschloss zu einem prächtigen Barockbau umgestaltete, hatte ihn Kurfürst Friedrich III. Ende des 17. Jahrhunderts erst einmal auf Studienreise geschickt. In Rom fand der Mann aus dem Norden die Inspirationen für die Schlossfassade und den Innenhof.

Ähnlich sein Kollege und Rivale Eosander, der mit dem Westportal einen römischen Triumphbogen nachbaute. Seither haben sich viele Baumeister in der deutschen Hauptstadt an mediterranen Vorbildern orientiert, wie der Kunsthistoriker Horst Bredekamp in "Berlin am Mittelmeer" zeigt.

Da ist das Brandenburger Tor, das den Propyläen der Akropolis in Athen nachempfunden wurde oder die Lindenoper, deren Front der Rotonda vom Renaissancearchitekten Andrea Palladio in Vicenza ähnelt. Im Humboldt Forum schließlich, dessen Gründungsintendanz Bredekamp angehörte, verknüpft der Architekt Franco Stella aus Vicenza den römisch inspirierten Barock Schlüters mit Elementen des italienischen "Razionalismo". Mit "transalpinen Spiegeln", so Bredekamp, hat sich Berlin seit Schlüters Zeiten südliche Grandezza an die Spree geholt.

- Horst Bredekamp: Berlin am Mittelmeer. Kleine Architekturgeschichte der Sehnsucht nach dem Süden, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 175 Seiten, 18,00 Euro, ISBN 978-3-8031-3672-5.

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