Mannheim (dpa) - Der diesjährige Schillerpreis-Träger Uwe Timm (78, "Ikarien") hält die Botschaften im Werk von Friedrich Schiller für weiterhin gültig.

"Vor zwei Jahren habe ich 'Die Räuber' in der großartigen Inszenierung von Ulrich Rasche im Münchner Residenztheater gesehen - und wieder einmal gestaunt über die Aktualität dieses Stücks", sagte Timm der Deutschen Presse-Agentur.

In Schillers Sprache werde der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Intrige und Wahrheit und zwischen Gefühl und Verstand behandelt. "Das sind Probleme, die höchst aktuell sind. Eine gewalttätige Sprache, die ihrerseits Wirklichkeit erzeugt - das erleben wir allenthalben", betonte Timm.

Der mit 10.000 Euro dotierte Schillerpreis der Stadt Mannheim wird dem Hamburger Schriftsteller an diesem Sonntag (15. April) bei einer Feierstunde in der nordbadischen Stadt verliehen. Schiller hatte das Drama "Die Räuber" 1782 in Mannheim uraufgeführt.

Erstmals begegnet sei er dem Werk von Schiller (1759-1805) in Zitaten wie "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann", sagte Timm. In der Schule musste er dann wie viele andere "Das Lied von der Glocke" auswendig lernen. "Später wollten wir einmal im Kollegtheater 'Die Räuber' inszenieren. Aber es fehlte Personal. So wurde Eugène Ionescos 'Impromptu oder der Hirt und sein Chamäleon' auf die Bühne gebracht: fünf Personen, nicht eine ganze Bande", sagte Timm.

Im Roman "Halbschatten" (2008) des Schriftstellers zitiert eine der Figuren Schillers "Glocke" - und kommentiert die lachende Reaktion der Zuhörer mit den Worten: "Schiller hält das aus." Er habe diese Szene so konstruiert, um daran zu erinnern, dass Schiller immer noch gespielt werde, sagte Timm. "Von vielen Schülergenerationen wurde die 'Glocke' parodiert. Aber immerhin - es muss erst etwas geschrieben worden sein, das wichtig genug ist, um parodiert zu werden."

Die Stadt Mannheim verleiht den Schillerpreis seit 1954 alle zwei Jahre. Die Auszeichnung soll an das Wirken des Dramatikers in der Stadt erinnern. Der Preis ehrt Persönlichkeiten, die "durch ihr Schaffen zur kulturellen Entwicklung in hervorragender Weise beigetragen haben". Frühere Preisträger waren etwa Friedrich Dürrenmatt, Ida Ehre, Lea Rosh und Dieter Hildebrandt.

Satzung des Schillerpreises