Weimar (dpa) - Als erste afrikanische Frau ist die südafrikanische Schriftstellerin, Verlegerin und Kuratorin Zukiswa Wanner ("The Madams") mit der Goethe-Medaille geehrt worden.

Sie leiste wertvolle kulturelle Vernetzungsarbeit zwischen Afrika und Europa, die sie zum Vorbild einer ganzen Generation in ihrem Land werden lasse, hieß es bei der Verleihung am Freitag, die auf Grund der Corona-Pandemie erstmals in Form eines Internet-Festakts durchgeführt wurde.

Für ihren Einsatz für die Freiheit in Kultur und Gesellschaft wurden auch die bolivianische Künstlerin Elvira Espejo Ayca und der britische Autor Ian McEwan mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet.

"So unterschiedlich diese in Bezug auf Kunst, Geografie und persönliche Erfahrungen sind, so ähnlich sind sie sich in ihrem Verständnis und ihrer Fähigkeit, Vorurteile und Stereotypen abzubauen", sagte der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, am Freitag. Die drei nun mit dem offiziellen Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland Ausgezeichneten nutzten offene Debatten, um der Spaltung von Gesellschaften entgegenzuwirken und die Stimmenvielfalt der Kulturen zu verteidigen gegen Uniformität und Zensur.

Die Goethe-Medaille wird jedes Jahr am 28. August, dem Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, übergeben, normalerweise bei einem Festakt in Weimar. Diesmal wurden die Geehrten in Video-Beiträgen vorgestellt.

Der Brite McEwan ("Abbitte") sei einer der bedeutendsten Schriftsteller Europas, hieß es. Als leidenschaftlicher Pro-Europäer erhebe er immer wieder seine Stimme gegen den Brexit. Seine Arbeit sei vom Wesen des Widerspruchs und der kritischen Reflexion gesamtgesellschaftlicher Phänomene durchdrungen.

Die Bolivianerin Elvira Espejo Ayca, laut Goethe-Institut auch die erste indigene Museumsdirektorin, überführe die indigene Tradition und Kunst Boliviens in die Gegenwart und mache sie einer jungen Generation Lateinamerikas wie auch Europas zugänglich.

Ob die Verleihung der Medaillen im kommenden Jahr wieder vor Ort in Weimar möglich sein werden, dazu konnte eine Sprecherin des Goethe-Instituts angesichts der Pandemie noch keine Einschätzung abgeben.

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