Berlin (dpa) - Wenn er Mitte des Jahres die Leitung der Dresdner Philharmonie übernimmt, erfüllt sich für Marek Janowski ein langgehegter Wunsch. Der Dirigent war schon einmal Chef des Orchesters, hatte aber zwei Jahre nach seiner Berufung 2003 aufgegeben.

Er wolle wiederkommen, wenn die Stadt ein neues Konzerthaus mit einer tragfähigen Akustik baut. Mit der Eröffnung der Philharmonie im alten Kulturpalast hat Dresden geliefert. Jetzt folgt Janowski. Einige Monate nach seinem 80. Geburtstag an diesem Montag (18. Februar) startet der Maestro eine neue Etappe seiner Karriere.

Zwar schreitet der Generationenwechsel an der Spitze der großen Orchester voran. Junge Dirigenten, die halb so alt sind wie er, haben sich an bekannten Ensembles etabliert - in Los Angeles etwa Gustavo Dudamel (38), Andris Nelsons (40) am Gewandhausorchester Leipzig, Robin Ticciati (35) am Deutschen Sinfonie-Orchester Berlin.

Doch auch einer wie Janowski - für manche der "letzte deutsche Kapellmeister" - stellt sich neuen Herausforderungen und ist weltweit gefragt. Unlängst dirigierte er Bruckner bei den Berliner Philharmonikern, vor ein paar Tagen war er in Warschau, demnächst ist er in Köln - er ist viel unterwegs und deshalb für ein Gespräch schwer zu fassen.

An sich wolle er keinen Chefposition mehr, hatte er im September 2018 der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. Bis 2016 hatte er das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) geleitet. 2002 war er in einer komplizierten Zeit nach Berlin gekommen. Die Zukunft des RSB mit seiner Trägergesellschaft ROC stand infrage. Janowski brachte mit einer Mischung aus Diplomatie und Stärke Ruhe in die Situation, durchkreuzte Fusions- und Sparpläne und lockte neues Publikum. Die konzertante Aufführung aller zehn großen Wagner-Opern, über mehrere Jahre angelegt, brachte ihm und dem RSB viel Lob ein.

Ohnehin sei bei Wagner die szenische Darstellung verzichtbar, sagte Janowski in einem NDR-Interview. Ohne auf die Bühne schauen zu müssen, könnten sich die Zuhörer dann auf Wagners vielschichtige Musik konzentrieren. Dass Janowski das Regietheater nicht mag und lange um die Opernhäuser einen großen Bogen machte, ist bekannt. Dann gab er aber 2016 nach und debütierte in Bayreuth - ausgerechnet mit der umstrittenen "Ring"-Inszenierung von Frank Castorf. Die "Berliner Morgenpost" nannte ihn den "uneitelsten der großen Dirigenten".

Janowski, in Warschau geboren und in Wuppertal aufgewachsen, hatte zunächst an der Kölner Musikhochschule bei Wolfgang Sawallisch studiert. Nach Stationen in Köln, Düsseldorf und Hamburg wurde er Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters Freiburg, danach der Dortmunder Philharmoniker und des Gürzenich-Orchesters in Köln.

In den 80er Jahren war er auch als Operndirigent unterwegs, in New York, Chicago, Wien und Paris. Dort übernahm er das Orchestre Philharmonique de Radio France. Mit dem deutschen sinfonischen Repertoire des 19. Jahrhunderts wurde es unter Janowski zum führenden Orchester des Landes. Eine Übernahme der Bastille-Oper nach dem Rauswurd von Daniel Barenboim scheiterte an politischen Intrigen. Zwischen 2000 und 2005 war Janowski Musikdirektor in Monaco.

Und jetzt Dresden. Die Philharmonie habe immer darunter gelitten, im Schatten der Sächsischen Staatskapelle zu stehen, sagte Janowski der "FAZ". Er wisse aber, dass er eine "gewisse Probeneffizienz" besitze. Die wolle er dafür einsetzen, dass alle musikinteressierten Menschen wüssten, dass Dresden zwei hervorragende Orchester besitze.

NDR-Interview

FAZ-Interview