Hannover (dpa) - Eine umstrittene Freischütz-Inszenierung an der Staatsoper Hannover bringt CDU-Lokalpolitiker in Rage. Die Jugend lerne wichtige Werke nur noch in verstellter Form oder aufgrund von Altersbeschränkungen gar nicht mehr kennen, empörte sich die Ratsfraktion der Christdemokraten.

Hannovers neuer Kulturdezernent Harald Härke müsse durchgreifen und dafür Sorge tragen, dass die von Dichtern und Komponisten hinterlassenen Schätze nicht ins Niveaulose und Beliebige gezogen werden.

Der Dortmunder Schauspiel-Intendant Kay Voges inszeniert Carl Maria von Webers Der Freischütz als modernes Musiktheater. Dabei geht er sehr frei mit der Vorlage um. Nach der Premiere am Samstag gab es Buh-Rufe, aber auch Beifall. Die Inszenierung wurde von Kritikern überwiegend positiv besprochen.

Aufgrund von Videoprojektionen, die für Kinder nicht geeignet sind, hatte die Staatsoper kurzfristig die Altersempfehlung von 14 auf 16 Jahren angehoben. Es gebe Szenen, die an die Attentate von Paris erinnerten, sagte Staatsoper-Sprecher Olaf Roth. Außerdem tauchten Nazi-Transen und Pegida auf. Uns war es zu riskant, jüngere Schüler damit zu konfrontieren.

Altersempfehlungen am Theater sind nichts Ungewöhnliches. Die Berliner Volksbühne warnte im Mai vor der Uraufführung des Stückes Die 120 Tage von Sodom mit den Worten: Für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet.

In Hannover nimmt die CDU daran Anstoß, dass Schüler, für die der Freischütz auf dem Lehrplan steht, ihn altersbedingt jetzt nicht sehen können. Das sei zudem eine Herabwürdigung des Engagements der Lehrer. Während die Kommunalpolitiker die Voges-Inszenierung als symptomatisch für den Verfall eines ganzen Hauses sehen, bleibt die Staatsoper gelassen. Wir haben ein breites Angebot und zum Beispiel auch eine 50 Jahre alte "Hänsel und Gretel"-Inszenierung im Programm, sagte Sprecher Roth. Nicht alle Regisseure bürsteten so kräftig gegen den Strich wie Kay Voges.