New York (dpa) - Die Coronavirus-Pandemie hat die normalerweise eng getakteten globalen Konzertreisepläne von Yo-Yo Ma jäh unterbrochen.

Nur Online-Auftritte stehen derzeit an, ab dem Winter hofft der Cellist wieder reisen zu können - unter anderem Konzerte in Japan, der Türkei, Brasilien und Spanien sind auf seiner Website angekündigt.

"Musik ist für mich die beste Form, meine Neugierde nach Menschen zu stillen und die Welt zu erkunden", sagte der Musiker, der diesen Mittwoch (7.10.) 65 Jahre alt wird, einmal der Deutschen Presse-Agentur.

Die Musik hat ihm auch über die bisherige Pandemie-Zeit und all ihre Einschränkungen geholfen. "Während der Pandemie ist uns genommen worden, wie sehr wir auf Berührungen reagieren. Man kann nichts anfassen, nicht umarmen, keine Hände schütteln", sagte Ma der "Washington Post". "Aber was die Musik macht, ist, dass sie Luftmoleküle bewegt. Wenn die Luft sich bewegt, die Haut und die Härchen auf der Haut bewegt, das ist Berührung. Das ist das, was von jemandem berührt zu werden am nächsten kommt." Er sei angesichts des vielen menschlichen Leidens vor allem dankbar für das Leben, die Musik - und die Natur. "Ich genieße und erlebe das einfach derzeit, dass ich irgendwie ein Teilnehmer dieses Planeten bin."

Geboren wurde Ma 1955 als Sohn chinesischer Einwanderer in Paris. Seine Mutter war Sängerin, sein Vater Violinist. Schon mit vier Jahren begann Ma mit dem Cello. Wenige Jahre später wanderte die Familie in die USA aus, wo Ma kurz darauf mit Musik-Legende Leonard Bernstein im Fernsehen auftrat und später die Juilliard-Musikhochschule sowie die Elite-Universität Harvard besuchte.

Die Werke von Johann Sebastian Bach gehörten schon als Kind zu seinen Stärken, aber Mas Neugier scheint grenzenlos: Er spielte als Solist mit Orchester, in Kammermusikensembles und mit Musikern unterschiedlichster Traditionen. Er musizierte mit Popstars wie Sting, spielte für gleich mehrere US-Präsidenten und hatte einen Auftritt bei der US-Zeichentrickserie "Die Simpsons". Er erkundete die Klänge Eurasiens mit seinem Seidenstraßen-Projekt und trat dafür unter anderem im Iran, in Aserbaidschan und Armenien auf. Er nahm Alben mit argentinischem Tango und brasilianischer Samba- und Bossa Nova-Musik auf - und veröffentlichte zuletzt in diesem Jahr das Bluegrass-Album "Not Our First Goat Rodeo".

Für seine Musik wurde Ma, der in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts lebt und weltweit tausende Studenten unterrichtet, unter anderem mit zahlreichen Grammys ausgezeichnet, für sein Engagement unter anderem zum Friedensbotschafter der Vereinten Nationen ernannt.

Üben muss natürlich auch ein Weltklasse-Cellist wie Ma nach wie vor. "Die eine Sache, die sich nie verändert, ist, dass man als Künstler immer dagegen ankämpft, sich lächerlich zu machen", sagte der Musiker, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, kürzlich dem Magazin "GQ". "Mit jedem Jahr kann man diese Angst weiter von sich weg drängen und die Bühne zu einem freundlichen Ort machen. So übt man für einen Auftritt. Aber ein Teil des Übens ist für mich auch aktives Genießen. Das ist der magische Knopf, den nur man selbst finden kann."

© dpa-infocom, dpa:201006-99-840265/2

Interview der New York Times

Interview der GQ

Interview von NPR

Webseite von Yo-Yo Ma