Großmühlingen l Um acht Uhr ist es ruhig vor der Christlichen Sekundarschule in Großmühlingen. Auf dem Schulhof geht der Hausmeister seiner Arbeit nach, Kinder sind nicht mehr draußen. Es ist ein grauer Tag, die Luft riecht bereits nach dem kommenden Herbst – der Sommer der letzten Wochen scheint unvorstellbar weit weg. Doch dann, in der Schule: Gelb, Licht, Freundlichkeit. „Das ist genau das, was wir mit dem Gelb erreichen wollen“, bemerkt Schulleiterin Ute Wysocka mit einem Schmunzeln. Sie ist Kunsterzieherin und durchschaut direkt, dass ihre Theorie – gelb macht fröhlich – nicht nur bei den Kindern funktioniert.

Eine Schulklasse steht mit ihrem Lehrer im Flur. Natürlich mit Masken. „Die Schule kennenlernen“ erklärt die Schulleiterin. Und das ist wichtig, denn schließlich sind die Kinder das erste Mal in dem Schulgebäude „Am ersten Tag waren Gottesdienste“, sagt Wysocka. Zum Schulbeginn gab es für die „Neulinge“ zwei kleine Geschenke: „Eine Bibel und eine Sonnenblume“, erzählt die Schulleiterin. Warum eine Sonnenblume? „Passend zu unserem Farbkonzept in der Schule“, erklärt Ute Wysocka. „Viele Lehrer überlegen sich zusätzlich kleinere Überraschungen in der ersten Schulstunde“, fügt sie hinzu. Prompt holt sie eine Einkaufstasche hervor und präsentiert freudig kleine gebastelte Schultüten. „Ich habe meine Klasse gleich zum ersten Mal, deswegen habe ich die Geschenke noch dabei.“

Piktogramme für Kinder

Während der Ferien wurde das Gebäude auf Vordermann gebracht. „Wir sind seit zehn Jahren hier, zwei Mal wurde durchsaniert, in den Ferien standen diesmal nur kleinere Arbeiten an“, schildert die Fachlehrerin für Deutsch, Russisch und Kunst. In diesem Fall gab es vor allem eine Grundreinigung und die Vorbereitungen für den Schulstart mit Corona. Dazu wurden Piktogramme für die Kinder entwickelt. „Und wir haben in den ersten zwei Tagen Methodentraining“, berichtet sie. Dort soll den Kindern der Umgang mit den Hygieneregeln beigebracht werden. „Dabei unterstützt uns auch unsere Freiwilligendienstleistende“, berichtet Wysocka. Auch Ines Ohlmeyer entlastet die Lehrer bei dem Methodentraining, sie ist pädagogische Mitarbeiterin in der Schule.

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Zu diesem Schuljahr wurden 45 Schüler eingeschult, insgesamt würden an der Schule 254 Schüler unterrichtet. Etwa 30 Mitarbeitende sind damit beschäftigt: nicht nur Lehrer, sondern auch Schulsozialarbeiter und die Freiwilligendienstleistende. „Die Mischung ist angenehm, wäre ja auch schade, wenn nur Lehrer hier arbeiten würden, wir machen ja auch mehr als nur Unterricht“, schiebt Wysocka mit einem Zwinkern nach.

Für die Einschulung und den Schulbeginn ziehen alle an einem Strang. Der Gemeindepädagoge bereitet für die Kinder etwa stets ein symbolisches Geschenk zur Einschulung vor, was sie in ihrer Zeit an der Schule begleiten soll. In diesem Jahr war das Thema Musik, also hat er den Schülern ein großes Noten-Brett geschenkt. „Auf jeder Note steht ein positives Wort, etwa Vertrauen oder Zusammenhalt“, schildert die Schulleiterin.

Gut vorbereitet fühlen

Auf die Zeit mit den Corona-Maßnahmen in der Schule fühlen sich die Mitarbeiter und die Schulleiterin gut vorbereitet. „Es kam ja nun auch nicht überraschend, dass wir uns auf Maßnahmen vorbereiten müssen“, sagt sie. „Wir gehen bei der Umsetzung sogar über den Rahmenplan hinaus“, fügt sie hinzu. Damit meint Ute Wysocka unter anderem, dass sie für alle Lehrenden, die in die sogenannte Risikogruppe fallen, Plexiglasscheiben bestellt habe. „Wir fühlen uns gut vorbereitet, haben aber auch einfach die baulichen Voraussetzungen mit dem Altbau hier; große Räume, breite Flure und verschiedene Eingänge“, schildert sie. „Die Klassen aus dem oberen Stock benutzen einen anderen Eingang als die Klassen vom unteren Flur“, fügt sie erklärend hinzu. Auch die sogenannte Kohortentrennung sei dementsprechend kein Problem. Damit die Schüler die Regeln auch nicht vergessen, hängen überall im Gebäude Poster mit Piktogrammen. Darauf wird etwa auf die Abstandsregeln verwiesen.

Andere Dinge würden ganz nebensächlich umgesetzt, etwa das Lüften: „Wir haben Kurzzeitwecker für jede Klasse besorgt. Nach 20 Minuten klingelt er, alle wissen, dass dann eine Pause zum Lüften ansteht. Das ist für die Kinder aber auch für uns Lehrende gut, wenn man einmal im Reden und Erklären ist, vergisst man ja auch manchmal die Zeit.“

Für sie steht aber etwas ganz anderes im Vordergrund, als der in den letzten Wochen entstandene negative Beigeschmack der Corona-Maßnahmen in Schulen: „Wir sind einfach super glücklich, dass wir endlich wieder im Regelbetrieb unterrichten können, dass alle Schüler wieder da sind“, freut sich die Schulleiterin. „Die Kinder brauchen unsere Gesichter für einen funktionierenden Unterricht – und wir brauchen ihre.“ Außerdem hätte die verordnete Zwangspause vom Unterricht einen positiven Nebeneffekt: „Alle Kinder kommen gerade gerne in die Schule“, meint sie.

Spaß im Unterricht trotz Corona

Im Unterricht merkt man den Schülern den Spaß an, auch wenn mancher Unterricht in abgeänderter Form stattfinden muss, etwa der Hauswirtschaftsunterricht. „Hier können wir eben nicht mehr mit der Hand abwaschen und die Spülmaschine läuft nicht mehr im Öko-Programm sondern immer bei über 60 Grad“, schildert Wysocka. „Für uns ist das alles nicht so schlimm in der Umsetzung. Für den Essenslieferanten ist es etwa viel schwieriger. Da muss viel schönes wegfallen, die Kinder können sich zum Beispiel nicht mehr selbst auffüllen“, schiebt sie nach.

Auch im Russischunterricht, den Ute Wysocka hält, gibt es Neuerungen. Von 24 Schülern hätten sich 20 oder 21 für Russisch als zweite Fremdsprache entschieden. Normalerweise müssten die anderen Schüler dann nicht am Russischunterricht teilnehmen, hätten zusammen mit Schülern aus anderen Klassen Ausweichunterricht. Die Kohortenregelung verhindert diesen Ausweichunterricht aktuell aber. „Wir haben uns aber dazu entschieden, für die drei, vier Kinder aus der Klasse eine naturwissenschaftliche Trainingsstunde anzubieten. Wir wollen nicht, dass sie rumlungern“, schildert die Schulleiterin.

In der ersten Russischstunde geht es für die Kinder gleich ganz praktisch los. Mit Motivation, Worten, die aus dem Deutschen entlehnt sind, und mit einfachen Begrüßungsformeln. „Außerdem steht zu Beginn der Spaß und die Landeskunde im Vordergrund. Russischen Tee trinken, Warenje kochen, eine Art Marmelade zum Süßen des Tees oder russischen Speisen“, schildert die Fachlehrerin für Deutsch, Russisch und Kunst das Vorgehen in der Schule.

Doch nicht für alle beginnt die Schule nach den Ferien so stoffbezogen: „Wir machen heute Kennenlernspiele, Belehrungen, den Stundenplan, es gibt ein kleines Geschenk und wir erstellen eine Checkliste, was alles ins Mäppchen gehört“, schildert Mathias Knabe, Klassenlehrer der 5a. Er ist Fachlehrer für Mathematik, Physik und Wirtschaft.

Wie lange die Regeln aufrecht erhalten werden müssen, kann niemand absehen. Aber in Großmühlingen macht man das Beste daraus.