Schollene l  Auch die der Schollener „Pflege mit Herz“. Wichtiges Anliegen neben der Versorgung der Pflegebedürftigen: ihnen die Angst vor der derzeitigen Situation zu nehmen.

Für ein kurzes Plaudern bei einer Tasse Kaffee haben die Schwestern eigentlich keine Zeit. Der Tag ist durchgetaktet, der Nächste wartet schon. Das ist jetzt, in Corona-Zeiten, etwas anders. Sabrina Müller, die sich 2009 mit dem mobilen Pflegedienst selbstständig gemacht hat, erzählt, wie wichtig das Gespräch mit freundlichen Augen und beruhigender Stimme gerade jetzt ist. „Wir nehmen unseren Patienten die Angst. Viele verstehen gar nicht, was los ist, ziehen auch Vergleiche ,das ist ja wie im Krieg‘. Wir Schwestern sind oft die einzigen Bezugspersonen, weil die Angehörigen aus Sicherheitsgründen nur in Ausnahmefällen zu Besuch kommen.“ Ein rührendes Beispiel kurz vor Ostern: „Eine Omi sagte zu mir: Solange das jetzt so ist, bist Du meine Tochter!“

Etwas mehr Zeit als sonst haben die Schwestern. Denn ein paar Corona-bedingte Absagen von den insgesamt rund 100 Patienten gab es – Angehörige übernehmen die Pflege vor- übergehend selbst. „Dafür haben wir vollstes Verständnis. Glücklicherweise muss trotzdem keine unserer 20 Schwestern in Kurzarbeit. Überstunden werden abgebummelt und die Touren wurden etwas umgestellt, so dass etwas mehr Zeit für die Patienten ist – nicht nur für die wichtigen Gespräche, sondern beispielsweise auch für zusätzliche Einkäufe.“

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Pandemieplan seit Anfang März

Seit nunmehr gut sechs Wochen läuft der Pflegedienst etwas anders als üblich: „Wir haben Anfang März einen Pandemie-Plan aufgestellt. Sehr hilfreich war dabei der Verband der Deutschen Alten- und Behindertenpflege mit Sitz in Magdeburg, dem wir angehören. Von hier gibt es immer die aktuellsten Informationen, so dass wir umgehend reagieren können.“ Sabrina Müller ist froh, noch zeitig vor Beginn der verschärften Vorschriften problemlos Masken, Handschuhe und Kittel bestellt zu haben, „ich hatte da so eine Vorahnung. Inzwischen sind die Preise explodiert und man muss viel telefonieren und im Internet schauen, um Nachschub zu bekommen.“ Rund 2000 Euro kostete der zusätzliche Schutz den Pflegedienst bisher. Da ist die Freude über solche Geschenke wie kurz vor Ostern Mundschutz vom Landkreis und vor wenigen Tagen eine Packung Handschuhe besonders groß.

Und weil die bunten selbst genähten Masken freundlicher aussehen, werden diese in etlichen Fällen über dem medizinischen Mundschutz getragen. „Auch das ist ein Punkt, mit dem wir den Pflegebedürftigen die Angst nehmen.“

Umziehen im Büro

Ist es üblicherweise so, dass die Schwestern morgens bereits in Arbeitskluft nach Schollene kommen und von hier aus zu ihrer Runde starten, legen sie die Arbeitskleidung jetzt erst im Büro an. Dafür wurde extra ein Bereich geräumt. Hose und Kittel wie üblich, dazu Schürze, Mundschutz und Handschuhe. Alles täglich frisch. Die Stoffteile werden zur Reinigung abgeholt, Schürze und Mundschutz gibt es täglich neu. Handschuhe werden nach jedem Patientenkontakt gewechselt.

Am Abend nach dem letzten Patienten bleibt sämtliches Material zur Entsorgung/Reinigung im Büro. „Die Schwestern machen das toll! Alle sind nach wie vor mit Freude bei der Arbeit und halten alle Vorschriften ein – auch zu Hause. Denn alle wollen und müssen gesund bleiben“, ist Sabrina Müller dankbar. Und froh, dass keiner ihrer Patienten mit Corona infiziert ist.

Die Pflegedienste sind darauf eingestellt, dass sich an der derzeitigen Situation in der Pflege nicht viel ändern wird und die Hygienevorschriften so streng bleiben. „Schön wäre, wenn die Angehörigen bald wieder in Kontakt treten können – das ist für die Psyche der alten Leutchen so wichtig. An die Kluft von uns Schwestern haben sich die Patienten nun langsam gewöhnt. Und der Engpass bei Mundschutz ist hoffentlich auch bald behoben, so dass wir problemlos zu normalen Preisen einkaufen können“, blickt Sabrina Müller hoffnungsvoll und optimistisch voraus.

Im Zeitplan auf der Baustelle

Froh ist sie, dass auf ihrer Großbaustelle alles im Plan liegt. Denn die „Pflege mit Herz“, derzeit im ehemaligen Volksbank-Gebäude eingemietet, hat das alte Schollener Schulgebäude im Ortszentrum gekauft und im vergangenen Jahr mit dem Umbau zur Tagespflege begonnen. „Zwar ist es für die Bauarbeiter auch nicht ganz einfach, weil sie sich an Vorschriften halten müssen, aber das klappt gut. Derzeit sind die Heizungs- und Sanitärtechniker bei der Arbeit, die Wände werden verputzt, demnächst kommt der Anbau. Maler und Fliesenleger noch, dann die Einrichtung. „Wenn alles so weiter läuft, sind wir baulich im Spätsommer wie geplant fertig. Ob das mit der Bearbeitung unserer Anträge und der Genehmigung dann zeitlich alles klappt, bleibt abzuwarten – aber auch da bin ich optimistisch, dass in den Ämtern nach wie vor gearbeitet werden kann.“

Im alten Schulhaus, dessen Charme erhalten bleibt, wird im Erdgeschoss der große Aufenthaltsraum eingerichtet. Ein Anbau als Wintergarten ermöglicht den Senioren, im Grünen zu sitzen. Auf dem Schulhof wird ein Garten angelegt, in dem auch Dinge wachsen, die in der Küche zu verarbeiten sind. In der Küche werden alle Mahlzeiten für die Gäste zubereitet, die Senioren können mithelfen. In der ersten Etage, in die man über die breite Treppe oder mit dem noch anzubauenden Fahrstuhl gelangt, wird eine Pension für die Kurzzeitpflege eingerichtet. Und unterm Dach entstehen die Büros und die Aufenthaltsräume für die Schwestern, die Nachtwachen für die Kurzzeitpflege können sich hier hinlegen.